#12von12 im November 2016

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12von12

Es ist kalt. Sehr kalt. Und so fange ich an zwei schöne Fotos dieser Kälte zu schießen. Und ehe ich mich versehe mache ich mehr und mehr Fotos dieses Tages und bin plötzlich mittendrin bei #12von12. Viel Spaß beim Anschauen!img_9812Ich sagte es ja bereits: es war hier heute sehr kalt! Die Natur muss damit natürlich sehr angeben und solche zauberhaften Spinnennetzeiskreationen fabrizieren.

img_9813Nebel und Kälte sind hier förmlich greifbar. Finde ich.

img_9814Großkind: „Guck mal, ich habTim geschrieben. Ganz allein.“ Schon seit Wochen beschäftigt sich Großkind intensiv mit Buchstaben und vor allem mit dem Schreiben. Und so saß sie heute morgen an ihrem Arbeitsplatz und schrieb einfach „Tim“. Ohne das wir vorher jemals über diesen Namen gesprochen hätten.

img_9816Bei Instagram stolperte ich über ein Foto eines Pochierten Ei. Kurz darauf musste ich das auch erstmalig probieren und fand es ganz gelungen. Die Kinder haben es auch ratzfatz aufgefuttert.

img_9820Nach dem Ei ging es für die Kinder in die Badewanne. Etwas besseres konnte man der Kälte kam entgegen setzen.

img_9831Nach dem Baden gab es Pizza. Nach dem gestrigen Martinsumzug hatte ich keine Lust (und zu wenig Zeit) um noch zu kochen, weshalb wir kurzerhand auf Pizza umsattelten. Die Mägen der Kinder waren vom Süßkram beim Martinsumzug prall gefüllt, weshalb so einiges übrig blieb. Lucky us!

img_9833Nach der Pizza bereitete ich das Abendessen vor: Rote Linsenbolognese. Eines unserer Lieblingsrezepte hier und auch Gäste lieben es. P.S. Bei den Freunden, die wir später besucht haben, wurden wir dann auch spontan mit Abendessen versorgt, weshalb ich den Großteil der Bolognese eingefroren habe und einen kleinen Teil wir morgen zum Mittag essen.

 

img_9835Wie gesagt, wollten wir Freunde besuchen und ich hatte vorgeschlagen einen Kuchen mitzubringen. Chefkoch sei Dank konnte ich mit ein paar Äpfeln, Mehl, Milch und Eiern quasi schon was zaubern.

img_9837Kurz darauf wollte ich noch schnell joggen gehen. Da meine Frau heute fast den ganzen Tag arbeiten musste, wollte ich beide Kinder mitnehmen. Sie sollten mit ihren Laufrädern nebenher radeln. Wir kamen 500m weit.

img_9843Bei den Freunden (Alleinerziehender Vater + Tochter) gab es erst den Kuchen + Eis und danach noch Erdnüsse und Mandarinen. Und da wir so lange da waren, wurden wir auch gleich mit Abendessen verköstigt.

img_9851Großkind bekam zum Geburtstag von der Oma einen Spielzeughund geschenkt. Der konnte bellen und Leckerli essen und ausscheiden. Das Kind, bei dem wir heute zu Besuch waren besitzt einen Panda, der viele, viele Geräusche von sich geben kann und selbst läuft. Die Kinder haben Hund und Panda getauscht. Der Panda macht wirklich viele Geräusche.

img_9859Gegen halb 10 schlief dann das Großkind. Kleinkind bereits kurz vor 8. Und ich jetzt auch gleich.

Trotz all unserer Weisheit, sehen wir uns ratlos.

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Gesellschaft
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„Trotz all meiner Weisheit meine Freunde, seht ihr mich ratlos.“

An diesen Satz musste ich jetzt, gute 12h nachdem ich übermüdet ins Bett stolperte und mit der nahenden Gewissheit eines Sieges von Trump einschlief, denken. Dieser Satz entstammt dem Hörspiel „Die 3 vom Ast“ und wird von einer alterwürdigen Eule verkündet. Die Eule, die jede Menge Weisheit besitzt, ist ratlos als es darum geht einen Waldbrand zu verhindern. Trotz eben ihrer Weisheit. Und sie selbst ist sich dessen bewusst.

Ich musste vor allem daran denken, als ich gerade den Text von Sascha Lobo las. Wir müssen anders mit dem aufkommenden Populismus umgehen, wirft er ein, weil unsere bisherige Herangehensweise nutzlos war. Wir müssen in uns gehen und neue Lösungen finden um dem nahenden Waldbrand namens Rechtspopulismus Paroli bieten zu können. Und doch sind wir ratlos.

Stopp.

Stellt euch vor, wir könnten zurück gehen in die Zeit Anfang der 1930er Jahre. Wir wissen darüber Bescheid, was in den Jahren danach folgt. Seitdem wir uns erinnern können wird uns gesagt, wir müssen immer viel über die NS-Zeit wissen, um zukünftig verhindern zu können, dass es erneut zu so einer schlimmen Zeit kommt. Und jetzt? Was würden wir 1930 machen mit all dem Wissen, das wir um die Zeit haben? Könnten wir etwas ändern? Was nützt unser pures Wissen ohne das wir jemals darüber nachgedacht haben oder uns vermittelt wurde, welche Schritte wir gehen müssten? Ich habe das Gefühl, dass jetzt, wo AfD, Trump und Le Pen in der Tür stehen, unsere einzige Reaktion ist: „Hey! Die Geschichte könnte sich wiederholen. Seht her!“ Wir zeigen mit dem Finger und gestikulieren wild. Und nichts passiert. Ganz im Gegenteil, denn der Zuspruch für die Rechtspopulisten wird stetig größer. Wobei, viel größer als ein Sieg Trumps geht wohl kaum. Und mehr als gestikulieren und Sorgen äußern machen wir nicht. Und können wir nicht. Uns fehlt es an Handlungsfähigkeit. Und das macht mir eigentlich am meisten Sorge und nicht die Siege Trumps und der AfD.

Trotz all unserer Weisheit, sehen ihr uns ratlos.

Veganer Rote Bete-Schwarze Bohnen-Burger

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Rezepte
Rote Bete

Vor langer Zeit war ich auf der Suche nach einem guten Rezept für einen vegetarischen Burger. Ich stieß auf das folgende Rezept, dass ich auf TheKitchn gefunden hatte. Der Burger ist eigentlich sogar vegan, da das Ei, das man hinzufügen kann, wirklich total optional ist und meiner Erfahrung nach das Rezept nicht verbessert.

Nachdem ich die Zutatenliste für mich übersetzte, hatte ich ihn mehrmals zubereitet und war jedes Mal sehr begeistert. Vor langer Zeit versprach ich einmal das Rezept zu teilen und nun endlich habe ich es geschafft. Viel Spaß beim Nachkochen!

Zutaten:

3 große Rote Beete-Knollen (ca. 500g)
70g Naturreis (ungekocht)
1 Zwiebel (in kleine Stücke geschnitten)
3-4 Knoblauchzehen, gehackt
2 Esslöffel Apfelessig
20g Haferflocken
2 Dosen Schwarze Bohnen (440g)
30g getr. Pflaumen (in kleine Stücke geschnitten)
1 Esslöffel Olivenöl
2-3 Esslöffel geräuchertes Paprikagewürz
2 Teelöffel Brauner Senf (Brassica juncea)
1 Teelöffel Kumin/Kreuzkümmel
1/2 Teelöffel Koriander
1/2 Teelöffel getrockneter Thymian
1 großes Ei (optional)
Salz und Pfeffer

Rote Bete

Die rote Bete muss bei 200°C im Ofen erhitzt werden, bis sie weich ist. Das dauert gerne auch mal bis zu 90 Minuten, je nachdem wie groß die Bete ist. Anschließend abkühlen lassen und mit einer Küchenreibe klein raspeln. Die klein geraspelte Bete dann ausdrücken, so dass so viel wie möglich an Saft austritt. Den kann man auffangen, wenn man ihn anderweitig benutzen will. Für das weitere Rezept wird er aber nicht benötigt.

Falls man das schneller haben will: vorgekochte Rote Bete kaufen und dann raspeln und ausdrücken. Das hatte ich bislang noch nicht getestet, könnte aber auch funktionieren.

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Den Reis mit reichlich Salz kochen. Der Reis darf ruhig ein bisschen zu weichgekocht sein. Anschließend das restliche Wasser abgießen (falls vorhanden) und zum abkühlen beiseite stellen.

Zwiebeln

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Zwiebel und Knoblauch klein schneiden. Zunächst die Zwiebel zusammen mit einer Prise Salz in einem Teelöffel Olivenöl bei mittlerer Hitze anbraten, aber darauf achten, dass sie nicht verbrennt. Das kann so 10-12 Minuten dauern. Anschließend den Knoblauch hinzufügen, für 30 Sekunden anbraten und dann den Apfelessig hinzufügen und weiter erhitzen bis der Essig verkocht ist. Dann zur Seite stellen und abkühlen lassen.

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Die Schwarzen Bohnen bekommt man fertig gekocht in der Dose. Man kann sie aber auch roh kaufen, über Nacht einweichen und dann nochmal 90 Minuten lang kochen. Das dauert dann natürlich länger, als sie fertig zu kaufen.

Der Inhalt einer Dose (ca. 220g) kommt in den Mixer (die Flüssigkeit vorher abgießen).

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Die getrockneten Pflaumen klein schneiden. Anschließend die getrockneten Pflaumen zu den Schwarzen Bohnen in den Mixer machen und klein mixen, aber so, dass noch ein wenig Stücke der Bohnen zu erkennen sind.

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Die Haferflocken klein häckseln, so dass sie die Konsistenz von Mehl haben.

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Die Rote Bete, die Schwarze-Bohnen-getrocknete-Pflaumen-Masse, den Reis, die Zwiebel-Knoblauch-Masse, die zweite Dose Schwarze Bohnen (ohne Flüssigkeit) ein paar Tropfen Olivenöl, den braunen Senf, den Thymian, den Kreuzkümmel, das geräucherte Paprikagewürz und den Koriander zusammen in eine Schüssel machen und vermengen. Salzen und Pfeffern. Anschließend das Haferflockenmehl (und optional ein Ei) hinzufügen und so lange vermengen, bis man kein trockenes Haferflockenmehl mehr erkennt.

Anschließend abdecken und für mindestens 2h in den Kühlschrank stellen, besser noch über Nacht. Meine Erfahrung sagt auch, dass je länger es kalt gestellt wird, desto besser hält es zusammen.

Das Ei soll ja auch dafür da sein, damit die Masse besser zusammen hält. Ich hatte es bislang nur einmal mit einem Ei gemacht, aber hatte nicht das Gefühl, dass das irgendwas verändert hätte an dem Zusammenhalt. Das kann also auch weg bleiben, womit der Burger vegan ist.

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Nach der Zeit dann aus dem Kühlschrank nehmen und zu Pattys formen. Dann in einer Pfanne mit reichlich Sonnenblumenöl von beiden Seiten anbraten bis sie schön Farbe angenommen haben.

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Guten Appetit!

Eine Predigt. Ihre Sicht auf die Konfifahrt.

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Predigten

Zum Abschluss meiner Konfifahrtsblogreihe (die ganz unbewusst entstanden ist), gibt es noch die Predigt meiner Frau vom heutigen Sonntag. Und natürlich nimmt sie auch Bezug auf die Konfifahrt. Viel Spaß beim Lesen!

Ich komme gerade von der Konfirüste.
Sechs Tage habe ich mit zwei Kolleg*innen mit 20 Jugendlichen, und vier Familien auf der Burg Lohra verbracht.
Die Burg Lohra liegt in Thüringen und ist gar nicht so einfach zu erreichen.
So war bereits die Anreise ein kleines Abenteuer, das zunächst mitten im Nirgendwo scheinbar endete.
Denn der Bus, den uns der Routenplaner der Deutschen Bahn rausgesucht hatte, stellte sich als Kleinbus heraus, der nicht einmal die Hälfte der Gruppe, ganz zu Schweigen vom ganzen Gepäck, hätte transportieren können.
So warteten wir, telefonierten mit dem Busunternehmen und hofften auf Rettung.
Die kam schließlich auch in Form eines Busses, der auch von der Größe her diesen Titel verdient hatte und brachte uns schließlich in Laufnähe zur Burg.

Dort angekommen wurde vielen allerdings erst so richtig klar, worauf sie sich eingelassen hatten.
Vier kleine sehr alte Reihenhäuser mit sehr spartanischer Einrichtung: 2 – 5-Bettzimmer, ohne Heizung, sondern nur durch kleine Öfen beheizbar, Wände deren Putz alles was sie berührte mit weißem Staub bedeckte und in einem der vier Häuser nicht einmal eine Toilette innerhalb der vier Wände, sondern nur über den Hof erreichbar. Dazu weiter hinten auf dem Gelände ein Haus in dem sich die Gemeinschaftsküche befand. Innen rustikal-einfach mit Holzbänken an den Wänden, einem Gasherd mit vier Platten und ein, ebenfalls mit Holz zu beheizender, Ofen.

Meine zwei Kolleg*innen und ich nahmen uns zunächst einmal der schweren Aufgabe an allen ein Zimmer zuzuteilen. Am meisten Aufregung gab es natürlich, wie hätte es anders sein können, um das Haus ohne eigene Toilette und Dusche. Doch allzuviel Zeit blieb nicht für großes Gejammere. Holz musste geholt und Öfen befeuert werden. Und das Essen musste gekocht werden. Denn auch das würde uns niemand abnehmen in den Tagen auf der Burg. Und so wurden sogleich noch Gruppen eingeteilt, die die verschiedenen Arbeiten am Tag übernehmen würden: Frühstück, Mittagessen und Abendessen musste täglich vorbereitet und das Geschirr hinterher abgewaschen werden. Keine einfache Aufgabe bei einer Gruppengröße von über 30 Menschen. Zudem musste täglich Holz gehackt und auf die Räume verteilt werden.

Das Gemaule war groß, aber schnell kam auch die Einsicht, das sich nichts von all dem von selber erledigen wird. Wer essen möchte muss kochen, wer nicht frieren will muss den Ofen beheizen, das verstehen auch 13-jährige schließlich. Und so begann der Tag für die Gruppe, die mit dem Frühstück dran war, um kurz nach sieben, damit um acht Uhr alle essen konnten.

Thema der Konfirüste war Luther und seine reformatorische Erkenntnis des gnädigen Gottes. Neben all den täglich anfallenden Arbeiten hatten wir also auch inhaltlich einiges zu tun. Wir begaben uns auf die Spuren des Mittelalters mit mittelalterlicher Handwerkskunst, verbrachten einen Tag wie im Kloster an dem wir zu Stundengebeten zusammenkamen und körperlich schwere Arbeit beim Maulwurfshügelumgraben, Feuerholz schleppen und Brot backen leisteten und beschäftigten uns mit Luthers Biographie.

Über all dem wuchsen wir als Gruppe zusammen. Wir mussten uns aufeinander verlassen, denn ohne gemeinsames Anpacken, wäre das Leben auf der Burg nicht zu bewältigen gewesen. Wir froren zusammen und wir lachten gemeinsam. Und ich war nicht selten erstaunt, wie gut vieles doch funktionierte. Je länger wir da waren, desto selbstverständlicher wurde vieles gemacht. Immer wieder wurde sogar freiwillig noch beim Abwasch geholfen oder etwas besonderes zum Essen für die ganze Gruppe organisiert oder vorbereitet. Viele von den Jugendlichen waren mir vor der Rüste nicht wirklich vertraut. Doch diese wenigen intensiven Tage reichten um Verbundenheit wachsen zu lassen. Nicht selten war ich in diesen Tagen dankbar für das was ich dort erleben durfte.

Vielleicht hat Paulus ganz ähnlich empfunden als er an die Philipper schrieb:
Ich danke meinem Gott jedes Mal,
wenn ich an euch denke.
Ich danke ihm in jedem Gebet,
das ich für euch alle spreche!
Ich kann voller Freude beten,
weil ihr euch so sehr für die Gute Nachricht einsetzt –
vom ersten Tag an bis heute.
Ich bin ganz sicher:
Derjenige, der das gute Werk bei euch begonnen hat,
wird es auch zum Abschluss bringen –
bis zu dem Tag,
an dem Jesus Christus wiederkommt.

Es ist ja nur richtig,
dass ich so über euch alle denke.
Denn ich habe euch ins Herz geschlossen.
Egal, ob ich im Gefängnis sitze
oder vor Gericht die Gute Nachricht verteidige
und für sie eintrete:
Ihr alle erhaltet zusammen mit mir
Anteil an der Gnade,
die Gott mir schenkt.
Gott ist mein Zeuge:
Ich sehne mich nach euch allen mit der ganzen Liebe,
die Christus Jesus in mir geweckt hat.

Paulus ist dankbar für die Gemeinschaft die er bei den Philippern gefunden hat. Auch auf der Burg Lohra hatten wir Gemeinschaft. Und doch war nicht alles leicht.
Bereits am ersten Tag war klar, dass unser Zusammensein dort klare Regeln braucht. Pünktlichkeit und das Weglegen der Handys während gemeinsam geplanter Zeit war das eine. Das andere war das was eine Gemeinschaft entscheidend trägt: der Umgang miteinander. Schnell war klar das gegenseitiger Respekt und Rücksicht etwas ist, was vielfach von den Jugendlichen noch eingeübt werden muss. Von den langen und lauten Nächten, die andere nicht schlafen lassen, über Worte, die diskriminieren und klein machen. Schimpfworte wie „schwul“ und „behindert“ wurden von uns thematisiert, genauso wie der häufig unterschwellige, manchmal aber auch ganz offene Rassismus, der immer mal zu Tage trat. Meine Kolleg*innen und ich haben versucht in den Dialog zu gehen. Unsere Ansichten transparent zu machen. Auch und vor allem im Zusammenhang mit unserem Christsein.

Es war nicht alles gut auf der Burg Lohra, aber vieles eben doch. Vor allem war es ein Ort, an dem mir klar wurde wie wichtig es ist offen zu bleiben für Prozesse die man anstoßen, aber nicht erzwingen kann. Ein bisschen war es so wie bei unserer Anreise: oft sind wir gut vorangekommen, nur um dann doch nochmal stecken zu bleiben. Zu vielen Erkenntnissen kamen die Jugendlichen selbst. Die Umsetzung hat manchmal noch gehapert und ist an manchen Stellen sogar deutlich schief gegangen. Aber wir haben nicht locker gelassen bei unserem Probieren. Die Woche ist zuende, aber hoffe das einiges bleiben wird. Bei mir bleibt durchaus das Gefühl von Gemeinschaft zurück, das auch Paulus empfunden haben mag beim Gedanken an die Philipper. Und dieses Gefühl wird getragen von der Hoffnung das der Weg weitergehen wird.

So wie es auch Paulus gehofft hat für die Philipper:
Und das ist es,
worum ich bete:
Eure Liebe soll weiterwachsen
Und zunehmend geprägt sein von Erkenntnis
Und umfassendem Verständnis.
Ihr sollt selbst überprüfen können,
worauf es ankommt.
Denn ihr sollt fehlerlos sein
Und keinerlei Anstoß erregen an dem Tag,
an dem Christus wiederkommt.
Dann werdet ihr reichlich ausgestattet sein
mit dem Ertrag der Gerechtigkeit.
Den lässt Jesus Christus wachsen,
um die Herrlichkeit und den Ruhm Gottes
noch größer zu machen.

Amen.

Konfifahrt und miese Stimmung. Meine letzte Woche.

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Gesellschaft / Persönliches
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In dieser Woche waren wir auf Konfirmandenrüste, also eine Fahrt in die Pampa gemeinsam mit Jugendlichen im Alter von 12/13. Meine Frau und zwei Kolleg*innen und 20 Konfirmand*innen. Wir sind zur Burg Lohra gefahren, irgendwo im Nirgendwo Thüringens. Es war wirklich mitten im Nirgendwo. Und dabei dachte ich vorher, dass Thüringen sowieso schon sehr trist ist. Die Burg Lohra hatte mich aber nochmal negativer überrascht. Wie ich die Woche bereits schrieb, hatte ich so einige Probleme anzukommen. Sonntag kamen wir an, Freitag fuhren wir ab und ich würde sagen, dass ich erst am Donnerstag am späten Nachmittag wirklich angekommen bin. Bis dahin war aber eigentlich schon alles gelaufen. Ich habe miese Stimmung verbreitet, mich aus jeglichen Aktivitäten rausgezogen und bei nichts mitgeholfen. Ich war wirklich furchtbar.

Ich kann noch immer nicht so recht sagen, was genau zu meinem Verhalten führte. Es war eine Mischung aus dem negativen Gefühl dem Ort gegenüber, den schlechten ersten Eindrücken der Konfirmand*innengruppe und auch in irgendeiner Form war ich nicht so ausgeglichen, wie ich es oft bin. Meine Frau und unsere beiden Kinder bekamen meine Bärbeißigkeit ab. Gleichzeitig war die ersten beiden Tage auch Großkind immer wieder pampig. Sie versteht es einfach gut ihre Eltern zu spiegeln.

Trotz oder gerade wegen dieser miesen Woche habe ich so einiges mit nach Hause genommen. Eine besonders wichtige Erfahrung hat dabei nicht einmal mit mir zu tun, sondern mit der Arbeit meiner Frau (und ihrer Kolleg*innen) vor Ort. Jugendarbeit in der Kirche ist auch immer sehr viel Sozialarbeit. Erst recht wenn man mit Kindern aus einer strukturschwachen Region Brandenburgs zu tun hat. Rechtes Gedankengut ist da Realität. Damit umzugehen ist eine Herausforderung, aber so wichtig. Wenn die Pfarrer*innen nicht an diesen Jugendlichen dran bleiben und ihnen andere Wege aufzeigen, die diese gehen können, dann werden sie möglicherweise an die falschen Leute geraten bzw. wird der Einfluss der falschen Leute nur noch größer auf sie werden. Das Problem ist: gerade auf dem Land gibt es immer mehr unbesetzte Pfarrstellen, also auch keine Konfirmandenarbeit, also auch immer mehr Jugendliche, die orientierungslos in die Gruppen rein laufen, die dann noch so da sind. Kirche mag für viele Jugendliche uncool sein, vor allem vermutlich in Großstädten. Aber auf dem Lande hat Kirche noch immer einiges an Anziehungskraft, wenn die Stellen denn besetzt sind und engagierte Personen im Pfarramt sind, die vor allem auch Lust auf Jugendarbeit haben. Nicht immer kommt alles zusammen. Aber wenn es zusammen kommt, dann darf man Hoffnung haben. Nicht alles ist dann verloren.
Es waren anstrengende sechs Tage. Ich war anfangs schockiert über den Umgang der Jugendlichen miteinander. Beleidigungen über Beleidigungen warfen sich die Jungs an den Kopf. Es war ein stetiger Kampf um Aufmerksamkeit, darum wer cooler ist und wer das Alphatier der Gruppe ist. Ich empfand es als wirklich anstrengend. Aber noch lieber würde ich die Zeit zurück drehen. Zurück drehen auf den Moment als die Reise begann und ich würde mir dann zu Beginn kurz in den Hintern treten wollen und mir sagen: „Reiß dich zusammen! Diese Reise ist wichtig! Auch du kannst in diesen Tagen einen Unterschied machen und den Jugendlichen ein Vorbild sein.“

Leider geht das nicht mehr. Mir bleibt also nur zu sagen: nächstes Jahr darf ich diese Chance nicht verstreichen lassen. Nicht für mich, nicht für unsere Kinder, nicht für meine Frau und auch nicht für die Jugendlichen mit denen wir dann zu tun haben werden. Einzig auf die Burg Lohra könnte ich dann doch verzichten. Auch wenn sie wirklich Charme hat.

Meine erste Rezension: „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski

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Rezension

Eine Rezension. Ich schreibe eine Rezension. Meine erste Rezension. Und so richtig weiß ich gar nicht, wie man so etwas macht. Aber da ist nun dieses Buch, das gerade neben mir liegt. Und dieses Buch habe ich verschlungen. Es ist sogar das erste Buch, dass ich dieses Jahr gelesen habe. Ich kam ich in 2016 bislang sonst nicht dazu ein Buch zu lesen. Oder ich nahm mir bislang einfach nicht die nötige Zeit. Das Buch, das ich nun rezensieren will, ist also in mehrfacher Hinsicht eine Premiere.
Hier also ist es: 


„Untenrum frei“, geschrieben von Margarete Stokowski, vor allem bekannt als Kolumnistin von „Luft und Liebe“ aus der taz oder auch seit letztem Jahr aus der Kolumne „Oben und unten“ bei Spiegel Online. Ich liebe ihre Kolumnen schon lange und deswegen war es keine Frage, dass ich auch ihr Buch lesen muss.
Und wenn ich sie nicht kennen würde, so hätte allein das Cover mich schon fast vom Kauf überzeugt. Aber zum Inhalt. Es geht natürlich um Feminismus. Und um Sex. Vor allem das letztere Thema ist ja immer ein wenig schwierig. Darüber reden viele Menschen nicht gerne. Ich noch viel weniger. Mir ist es unangenehm darüber zu sprechen, aber darüber zu lesen finde ich ok. Sprechen und schreiben sind ja manchmal ähnlich. Und bevor ich beim Schreiben ganz rot im Gesicht werde, lasse ich das jetzt einfach mal unkommentiert so stehen. Das müsst ihr dann schon selbst lesen.
Über Feminismus zu lesen finde ich spannend, mich als Feminist zu bezeichnen fällt mir aber schwer, was vor allem daran liegt, dass ich Sorge habe man müsse einen gewissen „Kanon“ an Büchern kennen um mitreden zu dürfen. Aber stimmt nicht, egal was andere behaupten. Margarete Stokowski selbst erging es so. Ich glaube ja, dass es vielen so ergeht, die sich politischem Aktivismus jeglicher Richtung anschließen wollen. Sie kommen schnell an den Punkt an dem sie glauben, man müsse bestimmte Texte kennen um wirklich dazu zu gehören. (Im Übrigen erging es mir vor meiner Taufe ähnlich. Darf ich wirklich dazu gehören? Ich habe ja noch nicht einmal die Bibel gelesen! ) Margarete Stokowskis Buch ist ein wundervolles Beispiel dafür, wie Feminismus auch ist. (Ich störe mich schon jetzt an dem Wort „auch“ aus dem vorherigen Satz.)
Aus dem Buch trieft der Feminismus. Es ist keine Autobiografie und trotzdem schildert sie viele Erlebnisse aus ihrem Leben um den Weg nach zu zeichnen, wie sie zum Feminismus kam. Außerdem schreibt sie auch über die Entwicklungen des Feminismus und wie sich Ungleichheit im Alltag auswirkt. Besonders lesenswert fand ich den Abschnitt über die 68er-Generation, die die Sexuelle Revolution ausrief und trotzdem (oder gerade deswegen) den Männern nütze war und nicht auch gegen die Ungleichheit der Frauen an kämpfte.
Eins der wundervollsten Kapitel des Buches ist das 6. Kapitel: „Eine Poesie des ‚Fuck You'“. Es ruft geradezu dazu auf sich zu engagieren. Wenn man die Probleme um sich herum wahr nimmt und Menschen die bestehenden Probleme negieren, dann darf man sich nicht hinstellen und sagen „eigentlich“ bin ich ganz anderer Meinung, aber ich will mir nicht den Unmut zuziehen indem ich widerspreche. Man soll die eigene Meinung äußern und auf Ungleichheiten hinweisen und sie bekämpfen. Man muss aber auch damit rechnen, dass man Gegenwind bekommt. Oder das gesagt wird, dass doch schon jede Menge Gleichstellung erreicht sei. Denn auch wenn in den letzten 100 Jahren viel erreicht wurde, so ist noch immer jede Menge zu tun. Es gibt noch immer eine Lohnungerechtigkeit, noch immer sind Frauen in Politik und Medien stark unterrepräsentiert, noch immer werden Handlungen von Frauen und Männern unterschiedlich bewertet. Noch immer sind Frauen Objekte und Männer Subjekte. 
Einer meiner Lieblingsabsätze aus dem Buch ist daher folgender (und jetzt wird es ein bisschen länger):

„Oder wir hören, es sei vielleicht ein bisschen übertrieben, für Gleichberechtigung zu kämpfen, im 21. Jahrhundert, in Europa, denn so schlimm ist es hier ja wohl auch nicht. „Wozu braucht man heute überhaupt noch Feminismus?“ ist eine sehr schlichte, naheliegende Frage […]. Sie [lässt] sich am besten mit einer Gegenfrage beantworten: Wenn du glaubst, dass wir keinen Feminismus mehr brauchen, heißt das, du glaubst, das hier ist der Endzustand? Der Rest ist irgendwie natürlich, und göttlicher Wille bedingt die sieben Prozent Lohnunterschiede, weil sieben eine heilige Zahl ist? Ist es denkbar und wünschenswert, dass die Art, wie wir heute leben, das abschließende Ergebnis aller Kämpfe und Diskussionen um Gleichberechtigung ist? Ich glaube nicht. Ich will nicht, dass Olympe de Gouge ihren Kopf dafür hergeben musste, das wir uns heute umschauen und sagen: Mehr geht nicht. Wir würden damit alle verarschen, die uns hierhergebracht haben, und ich verarsche nicht gern Menschen, die etwas für mich getan haben.“
Ich kann euch das Buch nur wärmstens ans Herz legen. Kaufen!

Margarete Stokowski: Untenrum frei.
Rowohlt Verlag GmbH, 2016

Pia Ziefle fragt: „Wo sind eigentlich die Väter?“ Ich antworte.

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Gesellschaft / Persönliches
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Dafür, dass unser Familienkonzept sich sehr unterscheidet von dem „üblichen“ Familienkonzept, habe ich mich bislang noch gar nicht über das Thema Vereinbarkeit ausgelassen. Dabei ist das natürlich auch bei uns ein Thema, und nicht gerade ein kleines. Pia Ziefle ist bei dem Thema auch sehr hinterher und hat auch ein paar Fragen, vor allem an Väter, die ich hier einfach mal beantworten will:
(1) Steigen Väter tatsächlich nicht mit ins Eltern-Boot?

Mit ins Eltern-Boot eingestiegen bin ich mittlerweile voll. Mittlerweile heißt aber auch, dass es nicht immer so war. Bei beiden Kindern hat meine Frau 1 Jahr Elternzeit gemacht, ich hingegen offiziell nur die zwei Vätermonate. So zumindest sah es auf dem Papier aus. Abseits des Papiers war ich von Anfang an so aktiv im Eltern-Boot, wie es ging. Neben meinem Fast-Halbtagsjob, den ich damals ausübte, hatte ich einiges an freier Zeit, die wir oft zu dritt verbrachten. Wickeln, tragen, nachts aufstehen und Windeln wechseln wurde abwechselnd bewältigt. Stillen war natürlich einseitig gelagert. Kind 1 war ein absolutes Stillkind und hing, vor allem in den ersten Wochen und Monaten, stundenlang an der Brust. Da war ich natürlich auch oft abgemeldet. Aber vor allem auch nach der Elternzeit wurde meine Rolle noch sehr viel aktiver. Schon häufiger erwähnte ich, dass die Ausbildung meiner Frau im Predigerseminar mich zum Hauptverantwortlichen machte. Ich bin mit Kind 1 immer mitgefahren und habe sie vor Ort betreut, während meine Frau das Seminar besuchte. Das Seminar erstreckte sich immer über zehn Tagen am Stück mit anschließenden vier Tagen zuhause und dann erneut zehn Tagen. Diese 10-4-10-Tage-Phasen hatten wir dann binnen 1 Jahres gute 4-5 Mal. Diese Zeit war sehr intensiv und ich würde noch heute sagen, dass die Beziehung zu Kind 1 sehr davon geprägt ist. 

(2) Lassen Mütter Väter nicht mit einsteigen?

Meine Frau war es sehr wichtig die 12 Monate Elternzeit bei beiden Kindern zu machen. Ich hatte damit kein Problem, da ich in meiner Arbeitszeit damals schon sehr flexibel war und daher mir sowieso klar war, dass ich so viel wie möglich Zeit trotzdem zu Hause verbringen würde. Meine Frau hätte hingegen diese Flexibilität in der Ausbildung nicht haben können.

Ihr großer Wunsch war es aber auch, dass wir unser Familienleben und ihren Beruf gemeinsam vereinbaren können und so viel wie möglich Familienzeit haben. Sie hat also auch einen großen Anteil daran, dass wir beide im Elternboot sitzen. 

(3) Ist es die Erwerbsarbeit, die Vätern schwer bis unmöglich macht, Vater zu sein?

Bei mir war das wie gesagt nie ein Problem. Auch, weil ich nicht der Karrieretyp bin und daher schon direkt nach dem Studium die Entscheidung gefällt habe, dass ich keinen 40h-Job haben will, um unser Familienkonzept mittragen zu können.

(4) Wie sehen Väter sich selbst in ihrer Rolle als Vater?

Ich bin wichtig, so wie meine Frau wichtig ist. Ich bin aber nicht wichtig, weil ich der Vater (also ein Mann) bin, sondern weil ich unseren Kindern Liebe und Zuneigung gebe und sie in ihrem Aufwachsen unterstütze. Ich finde auch die Vorstellung schön, dass unsere Kinder damit aufwachsen, dass Väter zuhause sein können und es nicht „normal“ ist, dass Väter diejenigen sind, die Karriere machen und zuhause nicht präsent sind.

(5) Wo sehen Väter ihren Beitrag zur Familie?

Als Vollzeitpapa und Hausmann besteht mein Beitrag in vielen grundsätzlichen Dingen wie Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen, putzen und aufräumen. Meine Frau hilft beim Aufräumen und Wäsche aufhängen nicht selten mit, möglicherweise mehr als oftmals nötig sein sollte. Trotzdem bin ich vermutlich zu 90% für den Haushalt verantwortlich. Ich hoffe, dass meine Frau das ähnlich sieht. 😉

(6) Wo sehen sie ihre Beziehung zum Kind?
Die Beziehung zu beiden Kindern sehe ich als sehr eng an. Ich hoffe sehr, dass sich das auch auf lange Sicht positiv auswirken wird und wir auch, wenn sie Erwachsen sind, noch eine sehr liebevolle und enge Beziehung haben werden.
(7) Wie stellen sich Männer Familie vor, wenn sie a) noch keine haben, b) eine haben, und c) ihre eigene sich anders wünschen?
Perspektivisch wünsche ich mir eine 50/50-Lösung. Ich würde gerne irgendwann wieder arbeiten gehen, aber will gleichzeitig auch für die Familie Zeit haben. Die derzeitige 100%-Hausmann-Situation war aber klar von mir auch so gewollt. Der Zeitraum dafür war von vornherein auf 2 Jahre abgesteckt. Wie es dann danach weitergeht ist einerseits noch nicht klar, andererseits aber sind meine Bedürfnisse und auch die meiner Frau da ähnlich.
(8) Was tragen Väter dazu bei, dass sich ihre Vorstellungen erfüllen?
Wie geschrieben sind wir uns zuhause sehr darüber einig, wie sich unserer Familien- und Berufsleben in den nächsten 2-5 Jahren entwickeln soll. Bereits jetzt arbeite ich nebenbei ein wenig freiberuflich, aber in einem wirklich kleinen Rahmen und trotzdem ist es nicht immer leicht, das alles miteinander zu vereinbaren. Hier müsste ich eigentlich doch noch ein bisschen mehr meine Bedürfnisse nach Arbeitszeiten äußern, gleichzeitig gibt es zum Beispiel eine Oma, die mindestens einmal die Woche zu Besuch kommt und mir Arbeitszeiten beschert.
(9) Wie stark empfinden Väter Gestaltungsmöglichkeiten in ihrem (Vater-)Leben – und was trägt positiv dazu bei?
Meine Frau und ich, wir reden oft über unsere Vorstellung von Familie und inwiefern wir Dinge anders handhaben müssen, mit denen wir möglicherweise noch nicht zufrieden sind. Mein Bild von Familie ist z.B. kein nach außen abgeschlossenes Bild. Familie endet nicht bei Blutsverwandtschaft, sondern enge Freunde gehören stark zum Familienbild mit dazu. Auch sie dürfen Verantwortung für die Kinder übernehmen, sie mit prägen und eine intensive und liebevolle Beziehung zu ihnen aufbauen. Für die Taufpaten der beiden Kinder gilt das natürlich sowieso. Alle sollen ihre Qualitäten und Kompetenzen an die Kinder vermitteln. 
und zuletzt:

(10) Würde die Mutter der Kinder ähnliche Antworten geben?

Das wird vielleicht noch aktualisiert, wenn meine Frau Zeit findet die Fragen zu beantworten. 😉

Eine letzte Chance

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Persönliches

Liebe Burg in Thüringen,

Wir verstehen uns nicht gut. Schon der Start unserer Beziehung war holprig. Die Reise zu dir war beschwerlich. Großkind klagte über Ohrenschmerzen, jetzt gerade wo ich mich zwei Wochen mit den Spätfolgen einer Mittelohrentzündung herum geplagt habe. Der Bus, mit dem wir das letzte Stück fahren sollten, stellte sich als Kleinbus heraus. 30 Reisende waren gestrandet. Im Nirgendwo. 

Ein paar Telefonate später wurden wir von einem großen Bus gerettet. Er brachte uns in deine Nähe und eine letzte Wanderung mit Rollkoffer über Schotter führte uns zusammen. 

Meine Befürchtungen in den Wochen zuvor, dass du und deine Unterkünfte nicht auf der Welt seid um Freundschaften zu schließen, bestätigte sich schnell. Heizen lasst ihr euch nur per Holzofen, eure Räume sind klamm und die Wände dünn. Gekocht wird bei dir auch mit einem Holzkochfeld. Du lässt dich nicht auf halbe Sachen ein. Ganz oder gar nicht ist deine Devise.


Alleine bist du auch nicht. Es gibt Menschen, die sich um dich kümmern. Ihre politische Gesinnung schert dich wenig. Ich finde aber, dass ein bisschen weniger „Division Thor Steinar“ und ein wenig mehr Menschlichkeit sein sollte. Ich weiß, du hast viel erlebt und viele kommen und gehen gesehen, aber trotzdem könntest du dich distanzieren. 
Das Leben hier, die Bedingungen des Zusammenseins, machen es mir schwer zur Ruhe zu kommen und Kraft zu finden. Ich finde, das solltest du wissen. Zwei Kinder zu betreuen ist harte Arbeit. Und du raubst mir Energie. Du gibst mir keine. Du machst mich müde und kraftlos. Ich finde, das solltest du wissen. Bitte, gib dir einen Ruck. Lass es uns noch einmal versuchen und versorge mich mich dem was es braucht um die Zeit hier zu überstehen. Ich werde es dir nicht vergessen.
Denn in den wenigen guten Momenten, die wir schon zusammen hatten, hast du durchaus Charme. Vor allem mein Kaffee leuchtet so schön bei dir.


Und auch so einige Ecken deines Anwesens haben ihren Reiz. Ich bin gerne bereit dir eine letzte Chance zu geben, aber diese Beziehung kann nur funktionieren, wenn wir beide es wollen. 

Willst du?

Dein Herr Pfarrfrau

Sommer

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Persönliches
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Das erste halbe Jahr im Pfarrhaus ist vorüber und der Sommer ist eingekehrt. Es ist 8:09 Uhr. Im Hintergrund höre ich die Hähne krähen, der Hund vom Nachbarn bellt – ganz anders als sonst – nicht. Im Gemüsebeet breiten sich die Kürbispflanzen in unglaublichem Umfang aus und an Tomaten wird es uns demnächst auf Wochen nicht mangeln. Die Kinder schlafen. Meine Frau ist im Gemeindehaus und feiert eine Andacht. Gestern besuchten wir Freunde aus Berlin. Eine 45-minütige Autofahrt brachte uns zu ihnen und ihrem Ferienhaus auf dem Lande. Die Pläne für’s Wochenende sind überschaubar. Das Angebot in der Stadt ist mau. Das Lieblingscafé 15 Autominuten entfernt und das Auto wird am heutigen Nachmittag von meiner Frau in Beschlag genommen. Der Alltagstrott ist angekommen.

Und die Sehnsucht nach Berlin steigt täglich.