Sommer

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Persönliches
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Das erste halbe Jahr im Pfarrhaus ist vorüber und der Sommer ist eingekehrt. Es ist 8:09 Uhr. Im Hintergrund höre ich die Hähne krähen, der Hund vom Nachbarn bellt – ganz anders als sonst – nicht. Im Gemüsebeet breiten sich die Kürbispflanzen in unglaublichem Umfang aus und an Tomaten wird es uns demnächst auf Wochen nicht mangeln. Die Kinder schlafen. Meine Frau ist im Gemeindehaus und feiert eine Andacht. Gestern besuchten wir Freunde aus Berlin. Eine 45-minütige Autofahrt brachte uns zu ihnen und ihrem Ferienhaus auf dem Lande. Die Pläne für’s Wochenende sind überschaubar. Das Angebot in der Stadt ist mau. Das Lieblingscafé 15 Autominuten entfernt und das Auto wird am heutigen Nachmittag von meiner Frau in Beschlag genommen. Der Alltagstrott ist angekommen.

Und die Sehnsucht nach Berlin steigt täglich.

Kinder, Karriere und Geschlechterrollen

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Gesellschaft

Vor kurzem unterhielten meine Frau und ich uns darüber, welche heterosexuellen Beziehungen wir kennen, bei denen Kinder vorhanden sind und wie es bei diesen Beziehungen mit der Verantwortung für die Kinder aussieht. Es überrascht bestimmt nicht, dass es in der Regel die Frauen sind, die sich vorwiegend um die Kinder kümmern und ihre Karriere hinten an stellen. Genau genommen kennen wir – bis auf eine Ausnahme – keine Beziehung in der der Mann mehr zuhause ist als die Frau. Oft arbeitet die Frau zudem keine 100%. Ich erzähle euch hier bestimmt nichts Neues. Ihr werdet diese Beispiele bestimmt auch in eurem Umfeld zu genüge finden. Wir sprachen also weiter und sammelten einige Erlebnisse von Frauen aus unserem Bekanntenkreis zusammen. Erlebnisse, die auch andeuten, warum Frauen nach der Geburt der Kinder in der Karriere nicht mehr so schnell voran kommen:

a)
Eine Bekannte ist Ärztin. Als sie nach der Elternzeit wieder mit der Arbeit begann wurde eine Stelle als Fachärztin in ihrer Klinik frei. Sie war großer Hoffnung, dass sie die Stelle erhalten würde. Es gab schon seit längerer Zeit Absprachen. Letztendlich erhielt sie doch eine Absage. Im Gespräch wurde ihr mitgeteilt, dass ihr ein Mann vorgezogen wurde. Die entscheidenden Personen hatten zu große Sorgen, dass sie in den nächsten Jahren erneut wegen einer Schwangerschaft ausfallen würde.

b)
Eine Bekannte ist Lehrerin. Nach der Elternzeit wollte sie sich auf eine Fortbildung bewerben. Diese sollte parallel zur eigentlich Arbeit stattfinden und sich über einen Zeitraum von zwei Jahren erstrecken. Ein höhergestellter Kollege hätte sie für die Fortbildung vorschlagen müssen. Er hat es nicht getan. Begründet hat er es damit, dass man nicht weiß, ob sie in diesen zwei Jahren wegen einer Schwangerschaft ausfallen würde und sie dann die Fortbildung nicht abschließen könnte.

c)
Eine Bekannte ist mittlerweile Pfarrerin. Im Rahmen des Vikariats (vergleichbar mit dem Referendariat für Lehrer*innen) nimmt sie an einer Klinischen Seelsorgeausbildung statt. Ihr Kind wird geboren. Der Kurs beginnt kurz vor Ende ihrer Mutterschutzzeit. Den Kurs kann sie nur abschließen, wenn sie an allen Tagen teilnimmt. Das wäre durch den Mutterschutz nicht möglich. Sie will unbedingt den Kurs machen und spricht mit verschiedenen Stellen. Letztendlich klappt es nicht. Die Leiterin des Kurses schreibt ihr daraufhin: „manchmal gibt es wichtigere Dinge im Leben. Widmen Sie sich lieber ihrem kleinen Kind“. Diesen Satz hätte ein Mann nie gesagt bekommen.

Das sollen nur drei Geschichten von vielen sein, die nicht nur ich, sondern bestimmt auch ihr erzählen könnt. Bei zwei dieser Geschichten hatten die Frauen sogar Verständnis für die Reaktion der Vorgesetzten. Und jede dieser Geschichten macht mich wütend. Wütend auf die Vorgesetzten, die sich anmaßen das Leben der oben genannten Frauen zu planen, und wütend darauf, dass Frauen gesellschaftlich so sehr darauf getrimmt werden nicht einmal Wut zu empfinden, selbst dann, wenn man sie deutlich benachteiligt.

Im Kontext des Themas „Arbeitsteilung bei Mann und Frau“ wird zur Verteidigung oft gesagt: „Es war eine persönliche Entscheidung, dass die Frau zuhause bleibt oder weniger arbeitet als der Mann.“ Der Mann macht Karriere, die Frau kümmert sich mehrheitlich um die Care-Arbeit. Wir müssen aber die Frage stellen: „Wie sehr werden Frauen daran gehindert Karriere machen zu können oder auch einfach nur eine Fortbildung zu besuchen, die ihnen beim weiteren beruflichen Werdegang nützlich wäre?“ Und dann bleiben die Frauen in der Karriere stecken, verdienen weniger als ihre Männer, die mit den Bedenken der Vorgesetzten nicht konfrontiert werden. Diesen Männer, die, wenn überhaupt, nur zwei Monate Elternzeit machen, wird dann die Fortbildung oder die Beförderung angeboten. Überhaupt: Was ist mit all den Männern, die nur zwei Monate Elternzeit machen? Oft wird von ihnen behauptet, es ginge in ihrem Beruf nicht anders. Die Firma/der Chef erlaubt es ihnen nicht länger auszusetzen. Und wenn sie doch darauf bestehen würden, dann könnten sie sich einen neuen Arbeitgeber suchen. Wieso geht das bei Frauen alles, was Männer angeblich nicht können? Viel zu selten erlebe ich es bei Freunden, dass Männer darauf bestehen mehr Zeit für die Familie zu haben. Bei einer befreundeten Familie ging es sogar so weit, dass der Mann seinen Job kündigte und einen neuen, sehr viel familienfreundlicheren Arbeitgeber suchte, damit er mehr Zeit für seine Frau und das Kind haben kann. Es war kein einfacher Prozess, aber sie haben es geschafft und er wollte es unbedingt. Wieso geht es bei ihm, aber bei so vielen anderen nicht?

Der Text wirft mehr Fragen auf als das er Antworten liefert. Und viele Fragen sind nicht neu. Und doch suchen wir alle immer weiter nach Antworten. Ich glaube ja, dass wir alle viel wütendender werden müssten, wenn es um die Benachteiligung geht. Viel zu oft wird Benachteiligung hingenommen oder sogar Verständnis dafür gezeigt. Männer aber auch Frauen verteidigen oft, dass Frauen die Beförderung versagt wird. Eine Schwangerschaft könnte ja dazwischen kommen. Viel zu oft äußern Frauen in Gesprächen, dass sie lieber unter einem Mann arbeiten als eine Frau als Chef zu haben. Weibliche Vorgesetzte seien viel zu emotional und intrigant.

Was sind das für Geschlechterrollen, denen wir uns da fügen? Die Rede von einer Gleichberechtigung, die bereits erreicht ist, ist eine Mär. Wenn es so wäre, würden nicht in der Mehrheit der Fälle nach der Geburt eines Kindes, die Frauen zuhause bleiben. Wenn es so wäre, dann würden die Talente und Fähigkeiten von Frauen nicht weniger wert sein und in schlechterer Bezahlung resultieren. Der Feminismus braucht uns alle. Wir müssen für ihn kämpfen und auf die ungerechten Geschlechterrollen hinweisen und diese ändern. Männer und Frauen.

Habt ihr so etwas vielleicht schon selbst erlebt und wie seid ihr damit umgegangen?

Eine Predigt: #OrganisierteLiebe und All You Need is Love

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Gesellschaft / Predigten

Exklusiv! Exklusiv, wie das schon klingt. Aber exklusiv veröffentliche ich einfach mal die Predigt meiner Frau, die sie am kommenden Wochenende halten wird. Ich veröffentliche sie, weil ich sie toll finde. Und ich finde die Predigt nicht nur toll, weil sie von meiner Frau ist, sondern weil es eine so wundervolle Predigt ist. Eine Predigt über Liebe und eine Predigt in der Kübra Gümüşay erwähnt wird und mit ihr ihre Forderung nach #OrganisierteLiebe.

1. Joh 4,16b-21:
Gott ist die Liebe; und wer in der Liebe bleibt,
der bleibt in Gott und Gott in ihm.
17 Darin ist die Liebe bei uns vollkommen,
dass wir Zuversicht haben am Tag des Gerichts;
denn wie er ist, so sind auch wir in dieser Welt.
18 Furcht ist nicht in der Liebe,
sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus;
denn die Furcht rechnet mit Strafe.
Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe.

19Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.
20 Wenn jemand spricht:
Ich liebe Gott, und hasst seinen Bruder, der ist ein Lügner.
Denn wer seinen Bruder nicht liebt, den er sieht,
der kann nicht Gott lieben, den er nicht sieht.
21 Und dies Gebot haben wir von ihm,
dass, wer Gott liebt, dass der auch seinen Bruder liebe.

Was für ein Predigttext.
Während ich ihn lese habe ich die ganze Zeit eine Melodie im Kopf.
Vielleicht hören sie sie auch:
Gott ist die Liebe
dapdadada
Lasst uns lieben
Dapdadada
wer Gott liebt, der liebe auch seinen Bruder.
All you need ist love, love,
love is all you need.

Haben Sie das auch gehört?

All you need is love – alles was du brauchst, ist Liebe.

Sangen die Beatles im sogenannten Summer of love (dem Sommer der Liebe) 1967.
Es wurde schnell zur Hymne der amerikanischen Hippies dieser Zeit.

Konzipiert war der Song als allumfassende Botschaft.

Und so beginnt „all you need is love“ mit einem musikalischen Zitat.
Es erklingen die ersten vier Takte der Marseillaise, die uns heute als Nationalhymne Frankreichs vertraut ist.

Text und Melodie stammen von einem französischen Offizier.
Er verfasste das Lied in der Nacht vom 25. auf den 26. April 1792 in Straßburg unter dem Eindruck der wenige Tage zuvor erfolgten Kriegserklärung an Österreich, die den ersten Koalitionskrieg auslöste zwischen dem revolutionären Frankreich und einer Koalition aus Österreich, Preußen und einigen kleineren deutschen Staaten.
Ein Kriegslied also.

Die Beatles setzen dem die Parole des Sommers 1967 entgegen: „Love, love, love“.

Musikalisch bietet der Song in seiner Eingängigkeit zunächst nichts außergewöhnliches.
Doch der Schlussteil ist bemerkenswert.
In den beharrlich wiederholten letzten Vers des Refrains („love is all you need“) mischen sich diverse musikalische Zitate.
So entsteht eine Collage.
Eingearbeitet in diese Collage sind Melodieabfolgen von Johann Sebastian Bach, über das englische Volklied Greensleeve bis hin zu einem Swingklassiker und Selbstzitaten der Beatles aus ihren eigenen Stücken.
Das Lied spannt damit einen Bogen über Zeiten und nationale Grenzen hinweg.
So wie auch die Sendung „our World“ für die „all you need is love“ speziell geschrieben wurde und die damals in viele Länder übertragen wurde.
Es ist damit wie ein Statement für die allumfassende Liebe, die diese Welt besser machen könnte, wenn die Menschen sich ihr hingeben würden.

Der Titel stürmte damals die Charts.
Die Kritiker jedoch sahen das Ganze weniger euphorisch.
Die Musik wurde als „schlicht und einfallslos“ beurteilt.
Der Text als „naiv, selbstzufrieden und bedeutungslos“ abqualifiziert.
Und das ist der Punkt wo ich einhaken möchte.
Denn auch unser Predigttext heute kommt mit einer ähnlichen Botschaft daher.

Liebe deinen Bruder, heißt es darin. Denn darin kommt zum Ausdruck, dass du auch Gott liebst. Love, love, love, könnte letzlich auch die Hymne der christlichen Botschaft sein. Ich jedenfalls könnte mir Jesus bei einem der vielen Festivals des Summer of Love vorstellen. Mittendrin, tanzend in der Menge zu genau diesem Titel.

Der Ruf nach weltumspannender Liebe kommt vielen oft naiv und zu einfach vor. Die Welt ist voll von Krieg und Gewalt, da kann Liebe allein nichts ändern. Oder doch?

„You may say I’m a dreamer“ (du könntest sage ich wär ein Träumer) singt John Lennon 1971 in seinem Song „Imagine“. Und das sagen viele, denen man mit der Botschaft der Liebe kommt. Zu einfach, zu abgedroschen. Ist das wirklich so?

Ich habe neulich einen Vortrag von Kübra Gümüşay mit dem Titel: Organisierte Liebe gesehen. In diesem Vortrag, der auf einer Konferenz zu Internetthemen gehalten wurde, spricht sie davon, wie sie, als kopftuchtragende praktizierende Muslima, von jeher mit Diskriminierung konfrontiert war. In ihrem Vortrag plädiert sie dafür dem organisierten Hass, wie er im Internet, aber auch außerhalb des Internets bei Pegida und ähnlichen Organisationen zu finden ist, organisierte Liebe entgegen zu stellen. Und zwar nicht als einzelne Menschen, sondern als Gruppe, die sich auf die Liebe stützt, auf die Liebe beruft.

So sagt sie: „Wir könnten viel, viel lauter sein, denn organisierte Liebe ist ein politisches Werkzeug!“

Und sie erinnert daran, das die Verantwortung gegen Vorurteile zu arbeiten nicht bei den Betroffenen liegt, sondern bei der gesamten Gesellschaft. Und gegen den Hass stellt sie: immer wieder die Liebe. Die Liebe ,die Ausdruck findet in unserer Wertschätzung, in unseren Gesten und Worten für andere:

„Wenn du etwas gut findest, dann sag das doch! Dann feiere das doch. Die Person, die Ideen, die Werte, die Texte! Wir müssen einander feiern. Ich finde dich toll! Ich bin ein Fan von dir! Und zwar von lebenden Menschen und nicht nur von Toten.“: So Kübra Gümüşay weiter.

Komplimente, Liebeserklärungen, weitersagen und erzählen, von tollen Menschen und Ideen. Laut zu sagen, was man toll findet, statt sich mit dem aufzuhalten, was niederdrückt, was Hass sät und klein macht. Gelebte Liebe sollte laut werden in Worten und Gesten. Ist das zu naiv?Ist „all you need ist love“ zwar ganz nett, aber leider zu oberflächlich und einfach? Ist die Forederung einer jungen Frau danach sich zusammenzuschließen und die Liebe statt den Hass laut werden zu lassen zu viel verlangt?

Die Herausforderung daran ist, dass wir es alle machen müssen. Das auch wir, die wir nicht aufgrund eines Kopftuches tagtäglich mit Hass konfrontiert werden nicht nur innerlich und eigentlich natürlich selbstverständlich gegen Hass sind. Sondern die Liebe laut werden lassen.

Kübra Gümüşay, nimmt nicht einfach hin, was ihr entgegenschlägt sondern stellt sich mutig dagegen. Doch alleine kann das keiner schaffen.

All you need is love.
So einfach und naiv ist die Botschaft gar nicht, glaube ich.
Im Gegenteil, sie ist vielleicht das schwerste was es gibt, denn sonst hätten wir es doch schon längst geschafft, oder?

Lasst uns lieben, denn Gott hat uns zuerst geliebt. Und: wer Gott liebt, der liebe auch seinen Bruder und seine Schwester.

All you need is love als Evangelium.
Eine schlichte Botschaft, aber keine einfache.
Und nur gemeinsam zu schaffen.

Amen

Cold Brew am Morgen

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Allgemein / Rezepte

Dreierriege

Gestern Abend bekam ich Lust auf einen Cold Brew, also einen Kaffee der mit kaltem Wasser „gebrüht“ wird. Ich habe mich an das Rezept vom Coffee Circle gehalten. Ich habe 500ml Wasser auf 100g frisch gemahlenen Rocko Mountain-Kaffee (auch vom Coffee Circle, aber mittlerweile nicht mehr erhältlich) getan. Einmal umgerührt und dann abgedeckt über Nacht (mindestens 12h) stehen gelassen.

Heute morgen dann habe ich meine Chemex benutzt um den Kaffee zu filtern:

Chemex mit dem Cold Brew

Das Endergebnis kann sich schmecken lassen. Der Rocko Mountain ist ein sehr fruchtiger Kaffee mit Aromen von Erdbeeren. In der Cold Brew Variante kommt dieses fruchtige Aroma noch mehr zu Tragen.

Prost! 😉

Fertiger Cold Brew

Mariniertes Roast Beef

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Rezepte

Wir bereiten nicht oft Fleisch zuhause zu. Vor dem heutigen Tag gab es erst zwei Mal in unserem neuen Zuhause Fleisch. Heute war das dritte Mal. Es gab etwas zu feiern: meine Schwiegermama hatte Geburtstag und war gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten zu Besuch. Auch die Tante meiner Frau macht bei uns Urlaub auf dem Lande.

Da mein Plan, das Havelländer Apfelschwein auf den Grill zu werfen, nicht umsetzbar war (es konnte nicht geliefert werden), musste kurzfristig eine andere Lösung her. Bei einem Fleischer in der Nähe bekam ich ein großes Stück Roast Beef:
Roast Beef

Schwiegermama hatte sich aus dem Ottolenghis „Kochbuch“ eigentlich ein Rezept für Mariniertes Lammkarree rausgesucht, aber da ich kein Lamm bekam, marinierte ich einfach das Roast Beef. Die Marinade hatte ich dann wie folgt angemixt:

20 g Petersilie (laut Rezept soll es glatte sein, aber hier bei uns im Kräutertopf hatte ich nur krause)
30 g Minze
4 Knoblauchzehen
2 Chilischoten, ohne Kerne und Seitenwände (laut Rezept sollen es eigentlich drei sein, aber ich wollte es nicht zu scharf machen – die zwei, die ich dann dran getan habe, waren aber auch scharf genug)
50 ml Zitronensaft
60 ml Sojasauce
120 ml Sonnenblumenöl
3 EL Honig
2 EL Ingwer-Birnen-Balsam (da ich gerade keinen Rotweinessig zur Hand hatte, der da laut Rezept eigentlich rein soll)
4 EL Wasser

Laut Rezept sollten auch noch 30 g Koriandergrün an die Marinade, aber die hatte ich weder zur Hand noch hier in der Umgebung in einem Supermarkt finden können. Als Ersatz habe ich einen Teelöffel gemahlenen Koriander hinzugetan, obwohl das aus den Koriandersamen erzeugt wird. Es passte trotzdem.

Im Mixer sah die Mischung vor dem Pürieren so aus:
Marinade vor dem Pürieren

Anschließend kam das Roast Beef in die Marinade und beides zusammen für ein paar Stunden in den Kühlschrank. Eigentlich hätte es dort über Nacht drin stehen bleiben sollen, aber wir hatten nicht die Zeit dafür.

Nach dem Kühlschrank erhitzte ich dann die Grillpfanne mit Sonnenblumenöl. Darin habe ich dann das Roast Beef von beiden Seiten für 2,5 Minuten scharf angebraten. Anschließend habe ich es in eine Auflaufform bei 220 °C für 18 Minuten in den Ofen geschoben und nebenbei die restliche Marinade im Topf kurz aufkochen lassen.

Das Endergebnis ließ sich sehen und schmecken:
Das fertige Roast Beef

Vor allem die Marinade (nicht im Bild) war ein Traum! Demnächst werde ich die noch einmal zubereiten und darin Tofu marinieren. Das wird bestimmt auch sehr lecker!

Kindertauglichkeit

Groß- und Kleinkind haben nichts davon gegessen… 😉

#OrganisierteLiebe und die Wut auf mein Schweigen

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Gesellschaft / Persönliches

Vorhin habe ich mir endlich den großartigen und wichtigen Vortrag „#OrganisierteLiebe“ von Kübra Gümüşay angeschaut. Für die wenigen unter euch, die ihn noch nicht gesehen haben. Hier:

Ich selbst werde mir diesen Vortrag noch einige Male anschauen. Ich werde ihn noch einige Male anschauen müssen, denn ich bin gescheitert. Ich habe es nicht geschafft mich gegen jemanden zu stellen, dessen Worte Widerspruch verlangt hätten.

LETZTE WOCHE

Wir waren in der vergangenen Woche auf einer Hochzeit. Sie fand an zwei Terminen statt, so dass wir länger vor Ort blieben. Wie es bei Hochzeiten so üblich ist, gibt es einige Reden, die oft auch mehr oder weniger lustig sind. Wir hatten das große Pech einer der schlimmsten Reden, die man überhaupt anlässlich einer Hochzeit halten kann, zu hören. Gehalten wurde sie vom Vater der Braut. Sein erster Satz:

„Wir sind dir, Stefan, dankbar, dass du unsere Tochter genommen hast.“

Und in so einem Ton verlief die Rede weiter. Eine Rede, die er nicht niedergeschrieben (und auch nicht vorbereitet hat), wie er selbst eingangs sagte. Zum Bräutigam sagte er, dass er noch Hoffnung habe, dass auch er, der Bräutigam, noch ein richtiger Mensch werden würde (weil er jetzt auch endlich lernt handwerkliches Geschick zu entwickeln). Seine Rede endete damit, dass er an seine Tochter die Worte richtete:

„Wir sind froh, dass du ihn angeschleppt hast und nicht irgendeinen Türken oder Schwarzen.“

Seine Frau brach daraufhin die Rede ab. Das Lachen blieb den meisten Gästen spätestens bei dem Satz im Halse stecken. So auch mir.

AM NÄCHSTEN TAG

Wir übernachteten in einem großen Ferienhaus. Das Brautpaar und die jeweiligen Eltern sind zu Besuch um gemeinsam zu frühstücken. Schnell kam das Gespräch auf eine der beiden Trauzeuginnen zu sprechen. Der Brautvater fing wieder an zu reden. Ich bekomme nicht mehr alles zusammen, aber unter anderem fielen folgende Sätze:

„Die Melanie hat ja früher auch für jeden die Beine breit gemacht. Die war ein richtiges Flittchen.“

„Ich habe ja von einer Studie gehört, dass Männer gar nicht anders können, als aufreizend angezogenen Frauen hinterher zu gucken. Das ist quasi in uns angelegt. Die mit den dicksten Titten garantieren gute Aufzucht der Jungen.“

„Die Melanie hat ja auch zwei schlagkräftige Argumente!“

Mir blieb die Spucke weg und das einzige, was ich tat war, beschämt gen Boden zu blicken und den Kopf zu schütteln. Er sitzt da, äußert sich wiederholt sexistisch und rassistisch und was mache ich? NICHTS! Es machte mich so wütend, dass ich den Kopf einzog und nichts tat.

Die letzten Worte aus dem Vortrag von Kübra lauten:
„Weil das Schweigen im Angesicht des Hasses ein Zustimmen ist.“

Indem ich nicht widersprach, stimmte ich ihm zu. Und ich schäme mich so sehr dafür. Und ich bin noch immer so wütend auf mich. Meine Frau widersprach ihm zum Glück und forderte mich mit Blicken auf ihr gleich zu tun. Aber ich schwieg. Und sie war anschließend wütend auf mich. Zu recht.

Kurz darauf twitterte ich:

Und jetzt schaue ich mir gleich nochmal den Vortrag an. Und nochmal. Und nochmal. Und ich muss üben den Mund auf zu machen.

#12von12 im Mai 2016

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12von12

Gestern feierten wir eine Hochzeit und heute haben wir einen freien Tag an der Ostseeküste und auf Karl’s Erlebnisdorf in Warnsdorf verbracht.

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Um 8 Uhr lagen wir noch im Bett und außer mir schliefen sogar noch alle.

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Gerade als ich anfangen wollte mit bloggen, wurde dann aber Großkind wach…

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Kleinkind wachte mit einer Bindehautentzündung auf. Also schnell einen lokalen Kinderarzt angerufen und kurz darauf war meine Frau auch schon auf dem Weg dorthin.

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Ich spielte derweil mit Großkind Billard…

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Später fuhren wir zur Ostsee. Großkind wollte eigentlich unbedingt schwimmen gehen, aber es war einfach viel zu kalt.

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Stattdessen gab es Eis, Crêpes (nicht im Bild) und …

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Fischbrötchen!

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Kurz darauf machten wir uns auf zu Karl’s Erlebnisdorf.

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Kleinkind spielte dort im Matsch.

Und eine (bzw bestimmt 30-40 Fahrten) auf der Kartoffelsackrutsche durften auch nicht fehlen.

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Zurück im Ferienhaus gab es Kaffee in meinen neuen Emaile-Tassen!

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Und zum Abschluss noch einmal Billard.

Kirche, Kinder und Privatsphäre

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Gesellschaft / Persönliches

Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich in unserem Pfarrgarten und genieße das Wetter. Kleinkind ist gerade eingeschlafen und Großkind tollt durch den Garten auf der Suche nach Schnecken. Wir sind in unserem Pfarrhaus angekommen. In der Gemeinde aber noch nicht so richtig. Zumindest nicht wir drei, die Familie, die zur neuen Pfarrerin gehört.

Es gibt leider viele Situationen und Orte in Deutschland (und bestimmt auch anderen Ländern) in denen man mit Kindern nur ungern gesehen wird. Sei es in vielen Restaurants und Cafés oder auch auf Reisen mit dem Zug. Kinder nerven viele und das ist furchtbar. In kirchlichen Gemeinden hingegen sehnt man sich nach Kindern. Die Gemeinde besteht oft aus sehr alten Leuten und diese sehr alten Leute freuen sich immer tierisch darüber, wenn sie Kinder sehen. Diese Freude drücken sie nicht nur aus durch Lächeln, sondern (wer kennt es nicht selbst aus der eigenen Kindheit und den Besuchen bei den Tanten und Onkels dieser Welt): anfassen und streicheln. Ungefragt versteht sich.

Wir (ich) haben daher immer wenig Lust auf Besuche von Gemeindeveranstaltungen abseits der Gottesdienste. Nicht nur stehen wir da sowieso oft im Mittelpunkt, nein unsere Kinder sind auch immer das Highlight und werden in Beschlag genommen. Manche überschreiten hier sogar die Grenze des Anfassens und Streichelns und gehen einfach mit den Kindern – ungefragt – vor die Tür.

Wenn wir häufiger auf diesen Veranstaltungen wären, würden auch wir als Familie stärker in der Gemeinde ankommen. Man würde uns besser kennen und es würde bei vielen das Gefühl entstehen: Da kommt die Pfarrfamilie und sie sind ganz offen und zugänglich. Ich weiß nicht, wie stattdessen über uns gedacht wird, aber wir versuchen klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufen ist Ehepartner + Kind bei der kirchlichen Gemeinschaft vor Ort ein großer Bonus. Wir wollen diese Karte aber nicht ausspielen. Unsere Familie und unser Privatleben sind uns heilig, auch wenn darunter unsere „Integration“ leidet. Falls ihr euch also bislang gefragt habt, wieso ich denn so wenig über das Einleben in der Gemeinde schreibe, so kennt ihr jetzt eine Antwort: wir grenzen uns ab und dadurch gibt es nur wenige Berührungspunkte über die ich schreiben kann. Vielleicht ändert sich das mit der Zeit, aber bislang fühlen wir uns wohl mit dieser Entscheidung und werden dadurch auch von niemanden vereinnahmt.