Kirche, Kinder und Privatsphäre

Während ich diese Zeilen tippe, sitze ich in unserem Pfarrgarten und genieße das Wetter. Kleinkind ist gerade eingeschlafen und Großkind tollt durch den Garten auf der Suche nach Schnecken. Wir sind in unserem Pfarrhaus angekommen. In der Gemeinde aber noch nicht so richtig. Zumindest nicht wir drei, die Familie, die zur neuen Pfarrerin gehört.

Es gibt leider viele Situationen und Orte in Deutschland (und bestimmt auch anderen Ländern) in denen man mit Kindern nur ungern gesehen wird. Sei es in vielen Restaurants und Cafés oder auch auf Reisen mit dem Zug. Kinder nerven viele und das ist furchtbar. In kirchlichen Gemeinden hingegen sehnt man sich nach Kindern. Die Gemeinde besteht oft aus sehr alten Leuten und diese sehr alten Leute freuen sich immer tierisch darüber, wenn sie Kinder sehen. Diese Freude drücken sie nicht nur aus durch Lächeln, sondern (wer kennt es nicht selbst aus der eigenen Kindheit und den Besuchen bei den Tanten und Onkels dieser Welt): anfassen und streicheln. Ungefragt versteht sich.

Wir (ich) haben daher immer wenig Lust auf Besuche von Gemeindeveranstaltungen abseits der Gottesdienste. Nicht nur stehen wir da sowieso oft im Mittelpunkt, nein unsere Kinder sind auch immer das Highlight und werden in Beschlag genommen. Manche überschreiten hier sogar die Grenze des Anfassens und Streichelns und gehen einfach mit den Kindern – ungefragt – vor die Tür.

Wenn wir häufiger auf diesen Veranstaltungen wären, würden auch wir als Familie stärker in der Gemeinde ankommen. Man würde uns besser kennen und es würde bei vielen das Gefühl entstehen: Da kommt die Pfarrfamilie und sie sind ganz offen und zugänglich. Ich weiß nicht, wie stattdessen über uns gedacht wird, aber wir versuchen klare Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen. Im Gegensatz zu vielen anderen Berufen ist Ehepartner + Kind bei der kirchlichen Gemeinschaft vor Ort ein großer Bonus. Wir wollen diese Karte aber nicht ausspielen. Unsere Familie und unser Privatleben sind uns heilig, auch wenn darunter unsere „Integration“ leidet. Falls ihr euch also bislang gefragt habt, wieso ich denn so wenig über das Einleben in der Gemeinde schreibe, so kennt ihr jetzt eine Antwort: wir grenzen uns ab und dadurch gibt es nur wenige Berührungspunkte über die ich schreiben kann. Vielleicht ändert sich das mit der Zeit, aber bislang fühlen wir uns wohl mit dieser Entscheidung und werden dadurch auch von niemanden vereinnahmt.

  1. Hallo Herr Pfarrfrau, hier spricht eine künftige Frau Pfarrfrau (ab September, bis jetzt noch Frau Vikarsfrau ; ). Ich bin gerade erst auf deinen Blog gestoßen und dieser Text hat mich direkt getroffen. Ich möchte mein Familienleben auch von dem Berufsleben von Herr Pfarrer abgrenzen und bin recht gespannt (fast auch ängstlich) wie das so wir. Ich bin ganz gespannt was ich noch so auf deinem Blog finde, bis jetzt ist mir in der Onlinewelt in der ich unterwegs bin noch kein Pfarrfraukollege oder Pfarrfraukollegin begegnet.

    • Meines Erachtens ist das wichtigste daran, dass ihr euch beide einig seid, dass Pfarrberuf und Privatleben getrennt sind. Die Gemeinde hat keinen Anspruch auf dich und eure Kinder (falls vorhanden). Es hilft auf jeden Fall nicht zu allen Gemeindeveranstaltungen zu gehen und auch nicht ständig in Gottesdiensten präsent zu sein. Dann gewöhnt sich die Gemeinde bestimmt schnell daran, dass ihr nicht komplett verfügbar seid. Wir pflegen z.B. auch kein offenes Pfarrhaus. Die Tür ist abgeschlossen und wir bitten auch niemanden einfach so mal eben herein.

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