Eine letzte Chance

Liebe Burg in Thüringen,

Wir verstehen uns nicht gut. Schon der Start unserer Beziehung war holprig. Die Reise zu dir war beschwerlich. Großkind klagte über Ohrenschmerzen, jetzt gerade wo ich mich zwei Wochen mit den Spätfolgen einer Mittelohrentzündung herum geplagt habe. Der Bus, mit dem wir das letzte Stück fahren sollten, stellte sich als Kleinbus heraus. 30 Reisende waren gestrandet. Im Nirgendwo. 

Ein paar Telefonate später wurden wir von einem großen Bus gerettet. Er brachte uns in deine Nähe und eine letzte Wanderung mit Rollkoffer über Schotter führte uns zusammen. 

Meine Befürchtungen in den Wochen zuvor, dass du und deine Unterkünfte nicht auf der Welt seid um Freundschaften zu schließen, bestätigte sich schnell. Heizen lasst ihr euch nur per Holzofen, eure Räume sind klamm und die Wände dünn. Gekocht wird bei dir auch mit einem Holzkochfeld. Du lässt dich nicht auf halbe Sachen ein. Ganz oder gar nicht ist deine Devise.


Alleine bist du auch nicht. Es gibt Menschen, die sich um dich kümmern. Ihre politische Gesinnung schert dich wenig. Ich finde aber, dass ein bisschen weniger „Division Thor Steinar“ und ein wenig mehr Menschlichkeit sein sollte. Ich weiß, du hast viel erlebt und viele kommen und gehen gesehen, aber trotzdem könntest du dich distanzieren. 
Das Leben hier, die Bedingungen des Zusammenseins, machen es mir schwer zur Ruhe zu kommen und Kraft zu finden. Ich finde, das solltest du wissen. Zwei Kinder zu betreuen ist harte Arbeit. Und du raubst mir Energie. Du gibst mir keine. Du machst mich müde und kraftlos. Ich finde, das solltest du wissen. Bitte, gib dir einen Ruck. Lass es uns noch einmal versuchen und versorge mich mich dem was es braucht um die Zeit hier zu überstehen. Ich werde es dir nicht vergessen.
Denn in den wenigen guten Momenten, die wir schon zusammen hatten, hast du durchaus Charme. Vor allem mein Kaffee leuchtet so schön bei dir.


Und auch so einige Ecken deines Anwesens haben ihren Reiz. Ich bin gerne bereit dir eine letzte Chance zu geben, aber diese Beziehung kann nur funktionieren, wenn wir beide es wollen. 

Willst du?

Dein Herr Pfarrfrau

  1. Wieder mal sehr schön und Burg hat es auch nicht leicht, es ist alt und verletzlich. ♡

  2. Jetzt habe ich den Refrain von Kid Kopphausen von „Das Leichteste der Welt“ in den Ohren. „Ohja, ich will!“. 🌻

  3. Pingback: Konfifahrt und miese Stimmung. Meine letzte Woche. | Herr Pfarrfrau

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