Pia Ziefle fragt: „Wo sind eigentlich die Väter?“ Ich antworte.

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Gesellschaft / Persönliches
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Dafür, dass unser Familienkonzept sich sehr unterscheidet von dem „üblichen“ Familienkonzept, habe ich mich bislang noch gar nicht über das Thema Vereinbarkeit ausgelassen. Dabei ist das natürlich auch bei uns ein Thema, und nicht gerade ein kleines. Pia Ziefle ist bei dem Thema auch sehr hinterher und hat auch ein paar Fragen, vor allem an Väter, die ich hier einfach mal beantworten will:
(1) Steigen Väter tatsächlich nicht mit ins Eltern-Boot?

Mit ins Eltern-Boot eingestiegen bin ich mittlerweile voll. Mittlerweile heißt aber auch, dass es nicht immer so war. Bei beiden Kindern hat meine Frau 1 Jahr Elternzeit gemacht, ich hingegen offiziell nur die zwei Vätermonate. So zumindest sah es auf dem Papier aus. Abseits des Papiers war ich von Anfang an so aktiv im Eltern-Boot, wie es ging. Neben meinem Fast-Halbtagsjob, den ich damals ausübte, hatte ich einiges an freier Zeit, die wir oft zu dritt verbrachten. Wickeln, tragen, nachts aufstehen und Windeln wechseln wurde abwechselnd bewältigt. Stillen war natürlich einseitig gelagert. Kind 1 war ein absolutes Stillkind und hing, vor allem in den ersten Wochen und Monaten, stundenlang an der Brust. Da war ich natürlich auch oft abgemeldet. Aber vor allem auch nach der Elternzeit wurde meine Rolle noch sehr viel aktiver. Schon häufiger erwähnte ich, dass die Ausbildung meiner Frau im Predigerseminar mich zum Hauptverantwortlichen machte. Ich bin mit Kind 1 immer mitgefahren und habe sie vor Ort betreut, während meine Frau das Seminar besuchte. Das Seminar erstreckte sich immer über zehn Tagen am Stück mit anschließenden vier Tagen zuhause und dann erneut zehn Tagen. Diese 10-4-10-Tage-Phasen hatten wir dann binnen 1 Jahres gute 4-5 Mal. Diese Zeit war sehr intensiv und ich würde noch heute sagen, dass die Beziehung zu Kind 1 sehr davon geprägt ist. 

(2) Lassen Mütter Väter nicht mit einsteigen?

Meine Frau war es sehr wichtig die 12 Monate Elternzeit bei beiden Kindern zu machen. Ich hatte damit kein Problem, da ich in meiner Arbeitszeit damals schon sehr flexibel war und daher mir sowieso klar war, dass ich so viel wie möglich Zeit trotzdem zu Hause verbringen würde. Meine Frau hätte hingegen diese Flexibilität in der Ausbildung nicht haben können.

Ihr großer Wunsch war es aber auch, dass wir unser Familienleben und ihren Beruf gemeinsam vereinbaren können und so viel wie möglich Familienzeit haben. Sie hat also auch einen großen Anteil daran, dass wir beide im Elternboot sitzen. 

(3) Ist es die Erwerbsarbeit, die Vätern schwer bis unmöglich macht, Vater zu sein?

Bei mir war das wie gesagt nie ein Problem. Auch, weil ich nicht der Karrieretyp bin und daher schon direkt nach dem Studium die Entscheidung gefällt habe, dass ich keinen 40h-Job haben will, um unser Familienkonzept mittragen zu können.

(4) Wie sehen Väter sich selbst in ihrer Rolle als Vater?

Ich bin wichtig, so wie meine Frau wichtig ist. Ich bin aber nicht wichtig, weil ich der Vater (also ein Mann) bin, sondern weil ich unseren Kindern Liebe und Zuneigung gebe und sie in ihrem Aufwachsen unterstütze. Ich finde auch die Vorstellung schön, dass unsere Kinder damit aufwachsen, dass Väter zuhause sein können und es nicht „normal“ ist, dass Väter diejenigen sind, die Karriere machen und zuhause nicht präsent sind.

(5) Wo sehen Väter ihren Beitrag zur Familie?

Als Vollzeitpapa und Hausmann besteht mein Beitrag in vielen grundsätzlichen Dingen wie Einkaufen, Kochen, Wäsche waschen, putzen und aufräumen. Meine Frau hilft beim Aufräumen und Wäsche aufhängen nicht selten mit, möglicherweise mehr als oftmals nötig sein sollte. Trotzdem bin ich vermutlich zu 90% für den Haushalt verantwortlich. Ich hoffe, dass meine Frau das ähnlich sieht. 😉

(6) Wo sehen sie ihre Beziehung zum Kind?
Die Beziehung zu beiden Kindern sehe ich als sehr eng an. Ich hoffe sehr, dass sich das auch auf lange Sicht positiv auswirken wird und wir auch, wenn sie Erwachsen sind, noch eine sehr liebevolle und enge Beziehung haben werden.
(7) Wie stellen sich Männer Familie vor, wenn sie a) noch keine haben, b) eine haben, und c) ihre eigene sich anders wünschen?
Perspektivisch wünsche ich mir eine 50/50-Lösung. Ich würde gerne irgendwann wieder arbeiten gehen, aber will gleichzeitig auch für die Familie Zeit haben. Die derzeitige 100%-Hausmann-Situation war aber klar von mir auch so gewollt. Der Zeitraum dafür war von vornherein auf 2 Jahre abgesteckt. Wie es dann danach weitergeht ist einerseits noch nicht klar, andererseits aber sind meine Bedürfnisse und auch die meiner Frau da ähnlich.
(8) Was tragen Väter dazu bei, dass sich ihre Vorstellungen erfüllen?
Wie geschrieben sind wir uns zuhause sehr darüber einig, wie sich unserer Familien- und Berufsleben in den nächsten 2-5 Jahren entwickeln soll. Bereits jetzt arbeite ich nebenbei ein wenig freiberuflich, aber in einem wirklich kleinen Rahmen und trotzdem ist es nicht immer leicht, das alles miteinander zu vereinbaren. Hier müsste ich eigentlich doch noch ein bisschen mehr meine Bedürfnisse nach Arbeitszeiten äußern, gleichzeitig gibt es zum Beispiel eine Oma, die mindestens einmal die Woche zu Besuch kommt und mir Arbeitszeiten beschert.
(9) Wie stark empfinden Väter Gestaltungsmöglichkeiten in ihrem (Vater-)Leben – und was trägt positiv dazu bei?
Meine Frau und ich, wir reden oft über unsere Vorstellung von Familie und inwiefern wir Dinge anders handhaben müssen, mit denen wir möglicherweise noch nicht zufrieden sind. Mein Bild von Familie ist z.B. kein nach außen abgeschlossenes Bild. Familie endet nicht bei Blutsverwandtschaft, sondern enge Freunde gehören stark zum Familienbild mit dazu. Auch sie dürfen Verantwortung für die Kinder übernehmen, sie mit prägen und eine intensive und liebevolle Beziehung zu ihnen aufbauen. Für die Taufpaten der beiden Kinder gilt das natürlich sowieso. Alle sollen ihre Qualitäten und Kompetenzen an die Kinder vermitteln. 
und zuletzt:

(10) Würde die Mutter der Kinder ähnliche Antworten geben?

Das wird vielleicht noch aktualisiert, wenn meine Frau Zeit findet die Fragen zu beantworten. 😉

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  1. Pingback: Hier sind die Väter (5) - Herr Pfarrfrau - Pia Ziefle | Autorin

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