Meine erste Rezension: „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski

Eine Rezension. Ich schreibe eine Rezension. Meine erste Rezension. Und so richtig weiß ich gar nicht, wie man so etwas macht. Aber da ist nun dieses Buch, das gerade neben mir liegt. Und dieses Buch habe ich verschlungen. Es ist sogar das erste Buch, dass ich dieses Jahr gelesen habe. Ich kam ich in 2016 bislang sonst nicht dazu ein Buch zu lesen. Oder ich nahm mir bislang einfach nicht die nötige Zeit. Das Buch, das ich nun rezensieren will, ist also in mehrfacher Hinsicht eine Premiere.
Hier also ist es: 


„Untenrum frei“, geschrieben von Margarete Stokowski, vor allem bekannt als Kolumnistin von „Luft und Liebe“ aus der taz oder auch seit letztem Jahr aus der Kolumne „Oben und unten“ bei Spiegel Online. Ich liebe ihre Kolumnen schon lange und deswegen war es keine Frage, dass ich auch ihr Buch lesen muss.
Und wenn ich sie nicht kennen würde, so hätte allein das Cover mich schon fast vom Kauf überzeugt. Aber zum Inhalt. Es geht natürlich um Feminismus. Und um Sex. Vor allem das letztere Thema ist ja immer ein wenig schwierig. Darüber reden viele Menschen nicht gerne. Ich noch viel weniger. Mir ist es unangenehm darüber zu sprechen, aber darüber zu lesen finde ich ok. Sprechen und schreiben sind ja manchmal ähnlich. Und bevor ich beim Schreiben ganz rot im Gesicht werde, lasse ich das jetzt einfach mal unkommentiert so stehen. Das müsst ihr dann schon selbst lesen.
Über Feminismus zu lesen finde ich spannend, mich als Feminist zu bezeichnen fällt mir aber schwer, was vor allem daran liegt, dass ich Sorge habe man müsse einen gewissen „Kanon“ an Büchern kennen um mitreden zu dürfen. Aber stimmt nicht, egal was andere behaupten. Margarete Stokowski selbst erging es so. Ich glaube ja, dass es vielen so ergeht, die sich politischem Aktivismus jeglicher Richtung anschließen wollen. Sie kommen schnell an den Punkt an dem sie glauben, man müsse bestimmte Texte kennen um wirklich dazu zu gehören. (Im Übrigen erging es mir vor meiner Taufe ähnlich. Darf ich wirklich dazu gehören? Ich habe ja noch nicht einmal die Bibel gelesen! ) Margarete Stokowskis Buch ist ein wundervolles Beispiel dafür, wie Feminismus auch ist. (Ich störe mich schon jetzt an dem Wort „auch“ aus dem vorherigen Satz.)
Aus dem Buch trieft der Feminismus. Es ist keine Autobiografie und trotzdem schildert sie viele Erlebnisse aus ihrem Leben um den Weg nach zu zeichnen, wie sie zum Feminismus kam. Außerdem schreibt sie auch über die Entwicklungen des Feminismus und wie sich Ungleichheit im Alltag auswirkt. Besonders lesenswert fand ich den Abschnitt über die 68er-Generation, die die Sexuelle Revolution ausrief und trotzdem (oder gerade deswegen) den Männern nütze war und nicht auch gegen die Ungleichheit der Frauen an kämpfte.
Eins der wundervollsten Kapitel des Buches ist das 6. Kapitel: „Eine Poesie des ‚Fuck You'“. Es ruft geradezu dazu auf sich zu engagieren. Wenn man die Probleme um sich herum wahr nimmt und Menschen die bestehenden Probleme negieren, dann darf man sich nicht hinstellen und sagen „eigentlich“ bin ich ganz anderer Meinung, aber ich will mir nicht den Unmut zuziehen indem ich widerspreche. Man soll die eigene Meinung äußern und auf Ungleichheiten hinweisen und sie bekämpfen. Man muss aber auch damit rechnen, dass man Gegenwind bekommt. Oder das gesagt wird, dass doch schon jede Menge Gleichstellung erreicht sei. Denn auch wenn in den letzten 100 Jahren viel erreicht wurde, so ist noch immer jede Menge zu tun. Es gibt noch immer eine Lohnungerechtigkeit, noch immer sind Frauen in Politik und Medien stark unterrepräsentiert, noch immer werden Handlungen von Frauen und Männern unterschiedlich bewertet. Noch immer sind Frauen Objekte und Männer Subjekte. 
Einer meiner Lieblingsabsätze aus dem Buch ist daher folgender (und jetzt wird es ein bisschen länger):

„Oder wir hören, es sei vielleicht ein bisschen übertrieben, für Gleichberechtigung zu kämpfen, im 21. Jahrhundert, in Europa, denn so schlimm ist es hier ja wohl auch nicht. „Wozu braucht man heute überhaupt noch Feminismus?“ ist eine sehr schlichte, naheliegende Frage […]. Sie [lässt] sich am besten mit einer Gegenfrage beantworten: Wenn du glaubst, dass wir keinen Feminismus mehr brauchen, heißt das, du glaubst, das hier ist der Endzustand? Der Rest ist irgendwie natürlich, und göttlicher Wille bedingt die sieben Prozent Lohnunterschiede, weil sieben eine heilige Zahl ist? Ist es denkbar und wünschenswert, dass die Art, wie wir heute leben, das abschließende Ergebnis aller Kämpfe und Diskussionen um Gleichberechtigung ist? Ich glaube nicht. Ich will nicht, dass Olympe de Gouge ihren Kopf dafür hergeben musste, das wir uns heute umschauen und sagen: Mehr geht nicht. Wir würden damit alle verarschen, die uns hierhergebracht haben, und ich verarsche nicht gern Menschen, die etwas für mich getan haben.“
Ich kann euch das Buch nur wärmstens ans Herz legen. Kaufen!

Margarete Stokowski: Untenrum frei.
Rowohlt Verlag GmbH, 2016

2 Kommentare zu “Meine erste Rezension: „Untenrum frei“ von Margarete Stokowski

  1. Pingback: Margarete Stokowski - Untenrum frei - LexasLeben

  2. Pingback: Untenrum frei von Margarete Stokowski – Über ein neues Frauenbild

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen