Konfifahrt und miese Stimmung. Meine letzte Woche.

In dieser Woche waren wir auf Konfirmandenrüste, also eine Fahrt in die Pampa gemeinsam mit Jugendlichen im Alter von 12/13. Meine Frau und zwei Kolleg*innen und 20 Konfirmand*innen. Wir sind zur Burg Lohra gefahren, irgendwo im Nirgendwo Thüringens. Es war wirklich mitten im Nirgendwo. Und dabei dachte ich vorher, dass Thüringen sowieso schon sehr trist ist. Die Burg Lohra hatte mich aber nochmal negativer überrascht. Wie ich die Woche bereits schrieb, hatte ich so einige Probleme anzukommen. Sonntag kamen wir an, Freitag fuhren wir ab und ich würde sagen, dass ich erst am Donnerstag am späten Nachmittag wirklich angekommen bin. Bis dahin war aber eigentlich schon alles gelaufen. Ich habe miese Stimmung verbreitet, mich aus jeglichen Aktivitäten rausgezogen und bei nichts mitgeholfen. Ich war wirklich furchtbar.

Ich kann noch immer nicht so recht sagen, was genau zu meinem Verhalten führte. Es war eine Mischung aus dem negativen Gefühl dem Ort gegenüber, den schlechten ersten Eindrücken der Konfirmand*innengruppe und auch in irgendeiner Form war ich nicht so ausgeglichen, wie ich es oft bin. Meine Frau und unsere beiden Kinder bekamen meine Bärbeißigkeit ab. Gleichzeitig war die ersten beiden Tage auch Großkind immer wieder pampig. Sie versteht es einfach gut ihre Eltern zu spiegeln.

Trotz oder gerade wegen dieser miesen Woche habe ich so einiges mit nach Hause genommen. Eine besonders wichtige Erfahrung hat dabei nicht einmal mit mir zu tun, sondern mit der Arbeit meiner Frau (und ihrer Kolleg*innen) vor Ort. Jugendarbeit in der Kirche ist auch immer sehr viel Sozialarbeit. Erst recht wenn man mit Kindern aus einer strukturschwachen Region Brandenburgs zu tun hat. Rechtes Gedankengut ist da Realität. Damit umzugehen ist eine Herausforderung, aber so wichtig. Wenn die Pfarrer*innen nicht an diesen Jugendlichen dran bleiben und ihnen andere Wege aufzeigen, die diese gehen können, dann werden sie möglicherweise an die falschen Leute geraten bzw. wird der Einfluss der falschen Leute nur noch größer auf sie werden. Das Problem ist: gerade auf dem Land gibt es immer mehr unbesetzte Pfarrstellen, also auch keine Konfirmandenarbeit, also auch immer mehr Jugendliche, die orientierungslos in die Gruppen rein laufen, die dann noch so da sind. Kirche mag für viele Jugendliche uncool sein, vor allem vermutlich in Großstädten. Aber auf dem Lande hat Kirche noch immer einiges an Anziehungskraft, wenn die Stellen denn besetzt sind und engagierte Personen im Pfarramt sind, die vor allem auch Lust auf Jugendarbeit haben. Nicht immer kommt alles zusammen. Aber wenn es zusammen kommt, dann darf man Hoffnung haben. Nicht alles ist dann verloren.
Es waren anstrengende sechs Tage. Ich war anfangs schockiert über den Umgang der Jugendlichen miteinander. Beleidigungen über Beleidigungen warfen sich die Jungs an den Kopf. Es war ein stetiger Kampf um Aufmerksamkeit, darum wer cooler ist und wer das Alphatier der Gruppe ist. Ich empfand es als wirklich anstrengend. Aber noch lieber würde ich die Zeit zurück drehen. Zurück drehen auf den Moment als die Reise begann und ich würde mir dann zu Beginn kurz in den Hintern treten wollen und mir sagen: „Reiß dich zusammen! Diese Reise ist wichtig! Auch du kannst in diesen Tagen einen Unterschied machen und den Jugendlichen ein Vorbild sein.“

Leider geht das nicht mehr. Mir bleibt also nur zu sagen: nächstes Jahr darf ich diese Chance nicht verstreichen lassen. Nicht für mich, nicht für unsere Kinder, nicht für meine Frau und auch nicht für die Jugendlichen mit denen wir dann zu tun haben werden. Einzig auf die Burg Lohra könnte ich dann doch verzichten. Auch wenn sie wirklich Charme hat.

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