Eine Predigt. Ihre Sicht auf die Konfifahrt.

Zum Abschluss meiner Konfifahrtsblogreihe (die ganz unbewusst entstanden ist), gibt es noch die Predigt meiner Frau vom heutigen Sonntag. Und natürlich nimmt sie auch Bezug auf die Konfifahrt. Viel Spaß beim Lesen!

Ich komme gerade von der Konfirüste.
Sechs Tage habe ich mit zwei Kolleg*innen mit 20 Jugendlichen, und vier Familien auf der Burg Lohra verbracht.
Die Burg Lohra liegt in Thüringen und ist gar nicht so einfach zu erreichen.
So war bereits die Anreise ein kleines Abenteuer, das zunächst mitten im Nirgendwo scheinbar endete.
Denn der Bus, den uns der Routenplaner der Deutschen Bahn rausgesucht hatte, stellte sich als Kleinbus heraus, der nicht einmal die Hälfte der Gruppe, ganz zu Schweigen vom ganzen Gepäck, hätte transportieren können.
So warteten wir, telefonierten mit dem Busunternehmen und hofften auf Rettung.
Die kam schließlich auch in Form eines Busses, der auch von der Größe her diesen Titel verdient hatte und brachte uns schließlich in Laufnähe zur Burg.

Dort angekommen wurde vielen allerdings erst so richtig klar, worauf sie sich eingelassen hatten.
Vier kleine sehr alte Reihenhäuser mit sehr spartanischer Einrichtung: 2 – 5-Bettzimmer, ohne Heizung, sondern nur durch kleine Öfen beheizbar, Wände deren Putz alles was sie berührte mit weißem Staub bedeckte und in einem der vier Häuser nicht einmal eine Toilette innerhalb der vier Wände, sondern nur über den Hof erreichbar. Dazu weiter hinten auf dem Gelände ein Haus in dem sich die Gemeinschaftsküche befand. Innen rustikal-einfach mit Holzbänken an den Wänden, einem Gasherd mit vier Platten und ein, ebenfalls mit Holz zu beheizender, Ofen.

Meine zwei Kolleg*innen und ich nahmen uns zunächst einmal der schweren Aufgabe an allen ein Zimmer zuzuteilen. Am meisten Aufregung gab es natürlich, wie hätte es anders sein können, um das Haus ohne eigene Toilette und Dusche. Doch allzuviel Zeit blieb nicht für großes Gejammere. Holz musste geholt und Öfen befeuert werden. Und das Essen musste gekocht werden. Denn auch das würde uns niemand abnehmen in den Tagen auf der Burg. Und so wurden sogleich noch Gruppen eingeteilt, die die verschiedenen Arbeiten am Tag übernehmen würden: Frühstück, Mittagessen und Abendessen musste täglich vorbereitet und das Geschirr hinterher abgewaschen werden. Keine einfache Aufgabe bei einer Gruppengröße von über 30 Menschen. Zudem musste täglich Holz gehackt und auf die Räume verteilt werden.

Das Gemaule war groß, aber schnell kam auch die Einsicht, das sich nichts von all dem von selber erledigen wird. Wer essen möchte muss kochen, wer nicht frieren will muss den Ofen beheizen, das verstehen auch 13-jährige schließlich. Und so begann der Tag für die Gruppe, die mit dem Frühstück dran war, um kurz nach sieben, damit um acht Uhr alle essen konnten.

Thema der Konfirüste war Luther und seine reformatorische Erkenntnis des gnädigen Gottes. Neben all den täglich anfallenden Arbeiten hatten wir also auch inhaltlich einiges zu tun. Wir begaben uns auf die Spuren des Mittelalters mit mittelalterlicher Handwerkskunst, verbrachten einen Tag wie im Kloster an dem wir zu Stundengebeten zusammenkamen und körperlich schwere Arbeit beim Maulwurfshügelumgraben, Feuerholz schleppen und Brot backen leisteten und beschäftigten uns mit Luthers Biographie.

Über all dem wuchsen wir als Gruppe zusammen. Wir mussten uns aufeinander verlassen, denn ohne gemeinsames Anpacken, wäre das Leben auf der Burg nicht zu bewältigen gewesen. Wir froren zusammen und wir lachten gemeinsam. Und ich war nicht selten erstaunt, wie gut vieles doch funktionierte. Je länger wir da waren, desto selbstverständlicher wurde vieles gemacht. Immer wieder wurde sogar freiwillig noch beim Abwasch geholfen oder etwas besonderes zum Essen für die ganze Gruppe organisiert oder vorbereitet. Viele von den Jugendlichen waren mir vor der Rüste nicht wirklich vertraut. Doch diese wenigen intensiven Tage reichten um Verbundenheit wachsen zu lassen. Nicht selten war ich in diesen Tagen dankbar für das was ich dort erleben durfte.

Vielleicht hat Paulus ganz ähnlich empfunden als er an die Philipper schrieb:
Ich danke meinem Gott jedes Mal,
wenn ich an euch denke.
Ich danke ihm in jedem Gebet,
das ich für euch alle spreche!
Ich kann voller Freude beten,
weil ihr euch so sehr für die Gute Nachricht einsetzt –
vom ersten Tag an bis heute.
Ich bin ganz sicher:
Derjenige, der das gute Werk bei euch begonnen hat,
wird es auch zum Abschluss bringen –
bis zu dem Tag,
an dem Jesus Christus wiederkommt.

Es ist ja nur richtig,
dass ich so über euch alle denke.
Denn ich habe euch ins Herz geschlossen.
Egal, ob ich im Gefängnis sitze
oder vor Gericht die Gute Nachricht verteidige
und für sie eintrete:
Ihr alle erhaltet zusammen mit mir
Anteil an der Gnade,
die Gott mir schenkt.
Gott ist mein Zeuge:
Ich sehne mich nach euch allen mit der ganzen Liebe,
die Christus Jesus in mir geweckt hat.

Paulus ist dankbar für die Gemeinschaft die er bei den Philippern gefunden hat. Auch auf der Burg Lohra hatten wir Gemeinschaft. Und doch war nicht alles leicht.
Bereits am ersten Tag war klar, dass unser Zusammensein dort klare Regeln braucht. Pünktlichkeit und das Weglegen der Handys während gemeinsam geplanter Zeit war das eine. Das andere war das was eine Gemeinschaft entscheidend trägt: der Umgang miteinander. Schnell war klar das gegenseitiger Respekt und Rücksicht etwas ist, was vielfach von den Jugendlichen noch eingeübt werden muss. Von den langen und lauten Nächten, die andere nicht schlafen lassen, über Worte, die diskriminieren und klein machen. Schimpfworte wie „schwul“ und „behindert“ wurden von uns thematisiert, genauso wie der häufig unterschwellige, manchmal aber auch ganz offene Rassismus, der immer mal zu Tage trat. Meine Kolleg*innen und ich haben versucht in den Dialog zu gehen. Unsere Ansichten transparent zu machen. Auch und vor allem im Zusammenhang mit unserem Christsein.

Es war nicht alles gut auf der Burg Lohra, aber vieles eben doch. Vor allem war es ein Ort, an dem mir klar wurde wie wichtig es ist offen zu bleiben für Prozesse die man anstoßen, aber nicht erzwingen kann. Ein bisschen war es so wie bei unserer Anreise: oft sind wir gut vorangekommen, nur um dann doch nochmal stecken zu bleiben. Zu vielen Erkenntnissen kamen die Jugendlichen selbst. Die Umsetzung hat manchmal noch gehapert und ist an manchen Stellen sogar deutlich schief gegangen. Aber wir haben nicht locker gelassen bei unserem Probieren. Die Woche ist zuende, aber hoffe das einiges bleiben wird. Bei mir bleibt durchaus das Gefühl von Gemeinschaft zurück, das auch Paulus empfunden haben mag beim Gedanken an die Philipper. Und dieses Gefühl wird getragen von der Hoffnung das der Weg weitergehen wird.

So wie es auch Paulus gehofft hat für die Philipper:
Und das ist es,
worum ich bete:
Eure Liebe soll weiterwachsen
Und zunehmend geprägt sein von Erkenntnis
Und umfassendem Verständnis.
Ihr sollt selbst überprüfen können,
worauf es ankommt.
Denn ihr sollt fehlerlos sein
Und keinerlei Anstoß erregen an dem Tag,
an dem Christus wiederkommt.
Dann werdet ihr reichlich ausgestattet sein
mit dem Ertrag der Gerechtigkeit.
Den lässt Jesus Christus wachsen,
um die Herrlichkeit und den Ruhm Gottes
noch größer zu machen.

Amen.

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