Köln und Karneval und wenig Fröhlichkeit

Das Leben nimmt merkwürdige Wege. Spontan wechselt es die Richtungen. Oft in den Momenten, in denen man denkt, dass der Weg jetzt klarer erscheint. Das täuscht. Immer. Den Lauf des Lebens hat man nie in der Hand.
Im Januar und Februar kämpften wir mit dem Thema der Einschulung des Großkindes. Der Antrag auf Rückstellung schien erfolgreich zu sein. Selbst der Gedanke daran hier zu bleiben schien nicht mehr ganz abwegig. Zwar traute man sich nicht diesen Gedanken offen auszusprechen, aber hinter vorgehaltener Hand traute man sich fast schon die Worte zu formulieren.

Oh Gott, habe ich Fasching als Kind gehasst! Ich habe es vielleicht gar nicht gehasst, aber meine großen Geschwister fanden es doof, also musste ich es auch doof finden. Ich glaube, dass ich mich schon immer vor jeglichen Faschingsaktivitäten drücken konnte. Einmal war ich sogar schon auf dem Weg. Mit Kostüm und Kuchen. Und drehte um. Karneval in Köln wäre für mich also von jeher ein undenkbarer Ort gewesen.

Der Partner meiner Schwiegermama ging Ende Januar in Pension. Er wünschte sich als Pensionsgeschenk den Besuch des Kölner Karnevals. Wieso auch nicht. Ich verurteile das nicht. Schwiegermama und Partner fuhren also nach Köln.

Rosenmontag.
Wir sind zu Besuch bei einer Freundin. Wir aßen Bibimbap. Wir spielten Carcassone. Ein Anruf aus Köln unterbrach das Spiel. Schwiegermama liegt mit einem Schlaganfall im Krankenhaus.

Faschingsdienstag.
Meine Frau fährt gleich morgens nach Köln. Ich fahre am Nachmittag mit den Kindern hinterher. Wie lange wir bleiben ist ungewiss. Dabei haben wir nur unseren Koffer mit Kleidung für 2 Tage Berlin. Notdürftig am Abend des Rosenmontags noch einmal schnell durchgewaschen, damit wir ein paar frische Kleidungsstücke haben. (Später kehrten wir noch bei H&M ein. Auch das war noch nicht genug. Ich hatte stetig das Gefühl in den gleichen Klamotten rumzulaufen.)

Wir sind alle in Köln. Der Karneval ist zum Glück fast vorbei und trotzdem schwebt er noch über der Stadt. Köln kann ganz schön dreckig sein. In den fast zwei Wochen, die wir in der Stadt sein werden, lerne ich aber, dass Köln auch echt schöne Seiten hat. Sie erschlossen sich mir nicht so schnell, aber steter Tropfen höhlt den Stein.

So eine plötzliche Erkrankung verändert viel. Die Besuche im Krankenhaus waren immer mit der bangen Frage verbunden „Wie geht es ihr heute?“. Meine Frau war jeden Tag bei ihr, ich vielleicht jeden Zweiten.
Meine Frage drehte sich also auch immer darum, wie ich die Tage sonst so verbringen werde. Köln und Kinder, ja das funktioniert. Es gibt viele Spielplätze und dank einer sympathischen Internetbekanntschaft wurden wir auch mit Spielzeug und Klamotten für die Kinder versorgt.

Krankheiten verändern Familien. Heute wurde meine Schwiegermama nach Berlin verlegt. Nach Hause. Und trotzdem ist alles ungewiss. Köln hat bei uns große Spuren hinterlassen. Sichtbare und unsichtbare, die in den nächsten Monaten noch zu Tage treten werden und die Zukunft bestimmen.

In dem einem Moment hatte man ein Gefühl von Sicherheit, im nächsten bricht alles weg. Ich glaub so soll Leben sein. So fies das manchmal ist. Am Ende ist hoffentlich alles besser und Schwiegermama wieder gesund. Und jeder von uns glücklich. Bis der nächste Schicksalsschlag kommt. Oder uns verfehlt. Göttin, du hast das schon im Blick. Ich kenn dich.

4 Kommentare zu “Köln und Karneval und wenig Fröhlichkeit

  1. Ein Schlaganfall verändert alles, von jetzt auf gleich. Auf einmal werden scheinbar wichtige Dinge unwichtig. Wenn ich das richtig verstanden habe, wurde schnell reagiert. Das ist für einen guten Heilungsverlauf wichtig. Viel Kraft für deine Schwiegermama und deine Familie! Alles Gute!

    PS: Karneval und ich werden keine Freunde mehr, meine Mutter starb vor 10 Jahren kurz vor Rosenmontag.

    • Herr Pfarrfrau

      Mein Beileid zu deiner Mama und Danke für deine Genesungswünsche. Schnell reagiert wurde, ja. Alles weitere muss man abwarten. :-/

  2. Pfuh… alles Gute für euch und die Schwiegermama und eine schnelle Genesung.

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