Tag 1: Plötzlich Schottland.

Wie komme ich denn in dieses blaue Haus rein? Auf den ersten Blick ist es mir nicht klar. Den Schlüssel für die AirBnB-Wohnung habe ich kurz zuvor aus einem echt netten Café abgeholt. Milk heißt es und laut meiner Vermieterin soll das persische Ei dort extrem gut sein. Ich solle das unbedingt probieren. Ich war vorerst froh, den Schlüssel bekommen zu haben. Und jetzt steh ich vor der Haustür und bemerke auf den zweiten Blick, dass am Schlüsselbund ein kleiner Chip dran ist, den man gegen das Klingelschild halten muss und schon öffnet sich die Tür. In welchen Stock ich muss und für welche Tür diese drei Schlüssel am Schlüsselbund sind, weiß ich in dem Moment zwar noch immer nicht, aber auch das finde ich kurze Zeit raus.

Ich bin übrigens in Glasgow. Ganz spontan und ganz alleine. Heute morgen stieg in in den Flieger. Von Berlin nach Glasgow. Begrüßt wurde ich hier von Sonne. Ein Bus brachte mich ins Zentrum Glasgows und von dort fuhr ich mit dem Zug zwei Stationen in den Bezirk „Govanhill“. Sehr multikulturell soll es hier zugehen, versprach die AirBnB-Anzeige. Aber man solle kein gentrifiziertes Quartier erwarten, denn dann wäre man falsch hier. Und trotzdem, ein Hauch von Gentrifizierung liegt in der Luft. In der kurzen Zeit, die ich hier durch die Straßen lief, fielen mir auch immer wieder junge Familien auf, die auch durch die Straßen von Kreuzberg laufen könnten und auf dem Weg sind zum neuesten, hippen Café. In 5 Jahren kann das hier alles gänzlich anders aussehen. Meine Vermieterin (ursprünglich kommt sie aus Schweden, aber irgendwie ist ihre Familie auch in Griechenland und den USA verteilt) befürchtet es auch. Ein wenig Hoffnung hat sie aber noch, dass es doch zu verhindern ist. Nur das staatliche Programm, dass dafür zuständig ist, scheint bislang eher kontraproduktiv zu sein. Aber: die Hoffnung nicht aufgeben!

Überhaupt ist das Gespräch mit ihr bei meinem zweiten Abendessen sehr interessant. Eine Freundin von ihr ist ebenfalls zu Besuch. Diese hatte in ihrem PhD über Russlanddeutsche geschrieben. Spannend! Wir reden über andere AirBnB-Gäste, aber auch über die große Diskrepanz in Großbritannien zwischen London und dem Rest des Landes. Sophie, die Freundin, die zu Besuch ist, erzählt von Ihrem Bruder, der in London lebt (am nördlichsten Zipfel) und eigentlich 1h mit dem Auto fahren muss um überhaupt im zentraleren London zu sein, dessen Frau sich aber niemals vorstellen könnte, woanders zu wohnen, obwohl sie kaum jemals mal im Zentrum unterwegs ist. Sophie spricht von einer recht klaren Trennung. Es gibt viele Menschen, die in London groß geworden sind, abschätzig über den Norden vom UK sprechen, aber noch nie in all den wundervollen Städten waren. Sei es Glasgow, Edinburgh, Aberdeen, Dundee, Manchester, Liverpool, Inverness und, und, und… Und andersrum bleiben viele aus dem Norden London fern.
Ich finde es spannend bei diesem Gespräch kleine Einblicke in das Leben der Menschen vor Ort zu erhalten.

Aber ich war auch noch in Glasgow unterwegs. Ich brauchte dringend noch einen Kaffee und bekam einen ganz okayen Flat White in der „Riverhill Coffee Bar“ und dazu ein sehr leckeren Granola Pot (einen Quark mit Himbeerensauce und dazu noch geröstete und kandierte Nüsse… mmmhmmmmm…!). Anschließend lief ich ein wenig durch die Gegend, verlief mich kurz in den lokalen Apple Store (ich fühle mich da irgendwie immer unwohl drin…) und anschließend in einen wundergroßen Buchladen (von der Buchladenkette „Waterstones“) und landete dann im CCA (Center for Contemporary Art), in dem es auch ein veganes Restaurant gibt. Das war saugemütlich und mein Essen (Pizza mit Zucchini, Knoblauch, Tomaten, Rucola und Chilliöl) auch echt lecker. Während ich da saß setzte ein kräftiger Schauer ein, doch irgendwann musste ich dann doch aufbrechen um noch ein paar Kleinigkeiten einzukaufen (Wasser, Bananen, Äpfel und Cadbury-Schokolade… ich habe eine Schwäche für diese Schokolade), da ich morgen einen längeren Autotrip vor mir habe.

Und dann landete ich irgendwann wieder hier in der Wohnung und wurde zum Wein und eben dem oben genannten zweiten Abendessen an den Küchentisch eingeladen.

Tag 1 in Schottland ist damit vorbei. Draußen hatte es gerade noch immer bzw. wieder geregnet. Es ist jetzt 22:46 Uhr (also fast 0 Uhr in Deutschland) und ich gehe auch gleich schlafen.

Gute Nacht!

Und hier noch eine unkommentierte Fotoauswahl des heutigen Tages:

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1 Kommentar zu “Tag 1: Plötzlich Schottland.

  1. Wie schön, von Dir zu lesen…und danke, dass Du uns mitnimmst.

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