Mit Kindern im Gottesdienst. Akzeptiert den Lärm!

Mit Kindern Gottesdienste zu besuchen ist toll. Für mich läuft der Besuch dann immer in verschiedenen Phasen ab:

Phase 1:
Es beginnt oft mit dem Aufstehen des Babys auf meinem Schoß. Dann steht da das kleine Kind und schaut in den Kirchraum und betrachtet die anderen Kirchgänger*innen.

Phase 2:
Das Baby will runter vom Schoß und läuft in der Bankreihe auf und ab. Immer mit Blickkontakt zu mir. Diese Phase setzt bereits 2-3 Minuten nach der ersten Phase ein. Sie vom Rumlaufen abzuhalten würde zu einem mittelschweren Wutausbruch führen. (Ich habe die Kinder einfach nicht im Griff!)

Phase 3:
Baby verlässt die Bankreihe und zieht weiter in die umliegenden Bankreihen. Je nach Kirche gibt es da nicht viele weitere Reihen bevor schon der Altar kommt.

Phase 4:
Baby rennt zur predigenden Mama. Spätestens hier muss ich dann intervenieren, Baby halsbrecherisch abfangen und der Frau die Show stehlen. Zuletzt geschehen ist das beim ersten Gottesdienst meiner Frau in der neuen Gemeinde auf dem Lande. Baby stand dann schon direkt vor der Kanzel auf der meine Frau predigte. Die Kirche war ziemlich voll und ich spurtete nach vorne um Baby wieder einzufangen. Zum Glück gab es keinen Protest.

Im schlimmsten Fall kommt es zur Phase 4a:
Baby rennt nach vorne, ich hinterher und das Großkind, dass nicht alleine sitzen will und Angst bekommt, stürmt weinend hinterher. „Tataa! Wir sind die neue Pfarrfamilie!“

Mit den Beiden in den Kindergottesdienst zu gehen ist für mich nur selten eine Option. Entweder gibt es gar nicht erst einen oder aber diese Form des Gottesdienstes ist nicht ansprechend genug gestaltet oder Kinder hüpfen über Stühle und Tische während der*die Leiter*in des Kindergottesdienstes verzweifelt in der Mitte sitzt. Dann doch lieber alle gemeinsam in einem Gottesdienst sitzen. Ich finde es absolut in Ordnung, nein sogar wünschenswert, das man gemeinsam mit Groß und Klein den Gottesdienst besucht (zu Weihnachten klappt es ja schließlich auch und niemand beschwert sich). Dabei können die Kinder auch gerne rumlaufen, denn nicht viele Kinder halten es aus 45-60min ruhig sitzen zu bleiben. Die Kinder aus dem Raum zu entfernen, weil sie stören (nicht selten bekommt man auch böse Blicke, wenn die Kinder zu laut sind) ist für mich der falsche Weg. Wie so oft im gesellschaftlichen Zusammenleben muss man bestimmte Eigenschaften und Umstände auch lernen zu akzeptieren. Kinderlärm gehört dazu. Auch in der Kirche.

Amen.

P.S. Ich habe übrigens weder in Berlin noch jetzt auf dem Lande Unterschiede in den Blicken gegenüber den Kindern im Gottesdienst bemerkt. Es gab hier und da Leute die genervt schauten, Leute die sich über die Anwesenheit der Kinder freuten und ebenso diejenigen Leute, die gar nicht reagierten. Der einzige Unterschied ist: in Berlin waren unsere beiden Kinder nur zwei unter vielen Kindern. Jetzt auf dem Lande sind sie, in der Regel, die Einzigen. Vor allem bei den Gottesdiensten auf den Dörfern. So im Mittelpunkt zu stehen, neben der Rolle, die mir zugedacht ist, ist aber noch einmal ein Thema für sich und darüber schreibe ich dann ein anderes Mal.

  1. Bei uns gibt es eine sogenannte Kinderecke. Drei als „U“ gestellte Bänke mit einem Teppich auf dem kalten Boden dazwischen, dazu ein paar thematisch passende Bücher. Wird wunderbar angenommen und es stört kaum jemanden, vor allem weil auch der Pfarrer dahinter steht und es initiiert hat. Schließlich lernen die Kleinen es ja nur richtig, wenn sie sehen, wie es die Großen machen. Aber vielleicht gehts ja noch mehr Leuten mit Kindern auf dem Land so, dass sie sich blöd angeschaut fühlen und deshalb erst gar nicht gehen wollen. Seitdem es bei uns die Kinderecke gibt, hat sich die Zahl der Kinder jedenfalls verdreifacht 🙂

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