Von „Supervätern“ und der Rechtfertigung

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Gesellschaft / Persönliches

Die Preisverleihung zum „Supervater“ und die Kritik daran gehen ja derzeit im Netz sehr steil. Schön darüber geschrieben hat ja dasnuf hier: „Gute Absichten“. Es ist wirklich kurios 5.000 € als Preis auszuloben für eine Tätigkeit, die seit Jahrhunderten unbezahlt von Frauen gemacht wird. Ohne Preisgeld, ohne Anerkennung, ohne „Lohnausgleich“ zu den arbeitenden Männern. Jegliche Kritik an dieser Preisverleihung ist daher gerechtfertigt.

Was ich gerne dazu noch beitragen würde wäre, wie mein Hausmanndasein von außen kommentiert wird. Auch in den letzten Jahren gab es immer wieder mehrere Monate in denen ich komplett zuhause war und für die Kinder zuständig war. Von außen war das aber irgendwie noch „ok“, da ich zugleich ja auch arbeiten ging. Ich hatte sogar das Gefühl ich müsste auch immer wieder betonen, dass ich ja noch einen „Job“ habe. Seit dem 1.1. bin ich ja offiziell komplett nur noch zuhause. Es gibt keinen anderen „Arbeitsplatz“ als die eigenen vier Wände mit den beiden Wildfängen an Kindern. Meine Frau arbeitet 100% und ich kümmere mich um das Heim. Die Kommentare von außen sind interessant. Sie spalten sich auf in zwei Lager:

Lager A (vor allem vertreten durch die weißen, älteren Männer hier vor Ort) lässt sich vor allem in folgendem Dialog wiedergeben:

Mann: In welchen Kindergarten gehen denn die beiden Kinder?
Ich: In gar keinen. Die sind beide zuhause und ich passe auf sie auf.
Mann: Und was haben sie gelernt?
Ich: Ich habe Geographie studiert.
Mann: Wollen Sie denn dann nicht hier richtig arbeiten? Es gibt da doch die Firma/Behörde/Organisation XYZ, die sucht bestimmt Geographen.
Ich: Die Kinder sind mir Arbeit genug.
Mann: Aber sie finden hier bestimmt einen guten Job. Es hören ja bald einige auf, die Leute hier sind ja schon alt, dann wird da etwas frei.
Ich: Ich fühle mich wirklich komplett ausgelastet.
Mann: Und hier sind ja auch einige Kindergärten. Da links um die Ecke, am Ende der Straße, da ist zum Beispiel einer. Da können die Kinder, wenn sie größer sind, auch alleine hingehen. Ist gar nicht weit.
Ich: Ja, mal schauen. Zuhause geht’s den beiden ja doch ziemlich gut.
Mann: Hm.

Lager B (vor allem Freunde und Bekannte mit eigenen Kindern):

Freunde: Und, wie geht es dir so zuhause?
Ich: Eigentlich ganz gut. Es ist schon auch anstrengend mit den Kindern. Man hat ja nie richtig frei.
Freunde: Oh das glaube ich. Ich war letztens für X Tage mit unserem Kind zuhause. Nach ein paar Tagen war ich froh, dass das Kind wieder in der Kita war. Man kommt ja zu gar nichts.
Ich: Ja, kommt mir bekannt vor.
Freunde: Macht es dir denn Spaß?
Ich: Ja, es ist echt schön.
(Und spätestens jetzt fange ich an mich irgendwie „schlecht“ zu fühlen. So als würde ich nicht richtig arbeiten. Weshalb das Gespräch dann manchmal so weiterläuft:
Ich: Außerdem mache ich ja noch nebenbei mein Projekt XYZ. Da habe ich jetzt einen Auftrag bekommen. Damit verdiene ich dann auch noch ein wenig Geld. Und außerdem ist das ja jetzt auch nur eine Probe mit den beiden Kindern und mir zuhause. Wenn wir merken, dass uns das allen nicht gut tut, dann finden wir auch ganz schnell einen Kitaplatz.)

Ich will das nicht. Ich finde es doof! Ich finde es doof, dass ich mich immer wieder mal schlecht fühle (und oft auch nur, weil mir, seitdem ich denken kann, eingebläut wurde, dass man nur durch einen „Job“ wer ist), dass ich zuhause bin. Das ich keinen „Job“ habe über den ich von außen definiert werde. Ich bin jetzt halt der Hausmann. Die Pfarrfrau. Irgendwie ein Kuriosum. Nicht ganz ernst zu nehmen. Irgendwie zu bemitleiden. Nichts richtiges. Ich fühle mich so, wie sich bestimmt seit Jahrhunderten viele Hausfrauen und Mütter fühlten. Nicht ernst genommen, belächelt ob der „Arbeit“, die ja keine richtige Arbeit ist, weil man ja schließlich kein Geld verdient. Es ist furchtbar. Es ist zum kotzen. Mir macht es Spaß zuhause zu sein. Es ist wunderbar. Es ist anstrengend. Ich habe eine ToDo-Liste im Kopf die niemals endet, weil es so viel zu tun gibt. Aber es gibt kaum eine Wertschätzung von außen, dabei hat jede*r Hausfrau*mann es verdient Anerkennung zu bekommen. Und vielleicht für jede*n 5.000 €. So als Ausgleich für die spätere Rente… ein Tropfen auf den heißen Stein.

Verdammte Axt, der Großteil der Care-Arbeit wird von Frauen gemacht und keine*r vergütet es ihnen. Das darf nicht sein! Es muss sich was ändern. Und es würde damit anfangen, wenn man all diese Tätigkeiten mehr wertschätzen würde. Das beginnt bereits mit Worten, aber noch besser mit Geld, damit all diese Menschen auch finanziell wertgeschätzt werden für die Kosten, die sie durch ihre Arbeit an anderen Stellen einsparen.

2 Kommentare

  1. Landfamilie sagt

    Ja, das kenne ich. Kenne aber als Frau auch das Gegenteil, ähnlich wie hier beschrieben: „Ich lebe auf dem Dorf. Ich bin mit anderen Müttern im Dorf befreundet und erzähle schon mal unbedacht, wie es so ist, wenn man in Gedanken beim nächsten Geschäftsabschluss ist und sich ärgert, wenn einem die Kinder einen Strich durch die Rechnung machen. Meine Freundinnen nicken dann und unterstützen mich, auch wenn sie es wohl nicht nachvollziehen können. Meistens spiele ich meine Arbeit aber herunter, um nicht anzuecken.“ http://www.mamaontherocks.com/2016/03/07/working-mom-auf-dem-dorf/

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